"Fühlst du dich von jemand beleidigt, so stellst du dich geistig unter ihn."

„Grobe Menschen, welche sich beleidigt fühlen, pflegen den Grad der Beleidigung so hoch als möglich zu nehmen und erzählen die Ursache mit stark übertreibenden Worten, um nur in dem einmal erweckten Haß- und Rachegefühl sich recht ausschwelgen zu können." Friedrich-Wilhelm Nietzsche

 

Wie gewohnt besuche ich an jedem Wochenende gemeinsam mit Freunden die Trödelmärkte in der Region, um dabei auf die Jagt nach außergewöhnlichen Dingen oder Schnäppchen zu gehen. Bei unserem letzten Besuch fand einer meiner Freunde ein kleines gebundenes Buch von Heike Pasucha "Lexikon der Beleidigungen"und meinte, dass sei doch mal ein Buch, was man gut gebrauchen könne.

Wenige Stunden zuvor hatte ich mich mit jemanden gestritten und ihn dann unnötigerweise mit einer Beleidigung provoziert. Das mache ich sonst nie und nur bei diesem Herren. Es kam wie es kommen musste und die Debatte eskalierte. Eigentlich hatte ich es längst bereut, doch irgendwie dachte ich, dass das kleine Lexikon bei diesem „Streit“ hilfreich sein könnte. Das war es dann doch nicht und ich setzte es auch nicht dafür ein, aber es brachte mich dazu, über „Beleidigungen“ nachzudenken.

 

Immer wieder sucht man nach den richtigen Worten, wenn es zu Meinungsverschiedenheiten kommt. Manche Menschen, denen die Argumente ausgehen oder die feststellen, dass ihre alten Positionen nicht haltbar sind, werden richtig zornig, schlagen auf Tische oder stampfen wie kleine Kinder mit den Füßen auf den Boden. Dabei gehen einige zur deftigen Beleidigung über, verlassen den Raum, kommen wieder herein und schimpfen weiter. Es gibt gebildete und studierte Anwälte, Therapeutinnen, Lehrer oder Ingenieurinnen, die sich damit rühmen und sie verwechseln dabei Sachargumente mit wilden und feige erfundenen Lügen. Sie glauben sogar ernsthaft, wenn die Gegenüber nicht mit Beleidigungen kontern, dass man selbst die besseren Argumente hätte und dem anderen überlegen sei. In ihrer eigenen Überheblichkeit können sie nicht mehr zwischen richtig und falsch unterscheiden, denn sie sehen nur noch sich selbst.

 

Dann wird es noch schwieriger sich richtig zu verhalten, denn dann steigt auch in einem selber die Erregung an. Besonders schwierig wird es, wenn man von seinem Gegenüber überrascht wird und aus dem Hinterhalt angegriffen wird. Dann fehlen einem oft die Worte und man muss nach Fassung ringen und versuchen bei einer Sachargumention zu bleiben und angemessen zu diskutieren, statt laut zu schreien. Man sollte sich nicht zu Beleidigungen hinreißen lassen, denn schon Jean-Jacques Roussseau sagte "Beleidigungen sind die Argumente derer, die unrecht haben." Und selbst wenn harte Worte fallen, sollte man ruhig bleiben und sich an den inhaltlichen Punkte, die vorgetragen wurde, orientieren. Man darf sich nicht zum ungehobelten "Gegenangriff" verführen lassen.

 

Ein chinesisches Sprichwort sagt: "Fühlst du dich von jemand beleidigt, so stellst du dich geistig unter ihn." In manchen Diskussionen verlangt der andere eine Entschuldigung, weil genau das bei ihm eingetreten ist. Das sind die Augenblicke, in denen man tief Luft holen sollte. Wenn man tatsächlich in einer Schlacht der Beschimpfungen" böse Beleidigungen ausgesprochen hat. dann ist der Zeitpunkt für eine Entschuldigung gekommen und man sollte hoffen, dass der andere diese annimmt. Leider fehlt manchen dazu die geistige Größe, denn darum geht es ihnen nicht. Und gerade deshalb und rotzdem sollte man selbst keine Gegenentschuldigung verlangen, "Seele um Seele, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß, Brand um Brand, Wunde um Wunde, Beule um Beule. ... " (Bibel, 2. Mose 21,23–25) gilt in einer zivilisierten Welt nicht mehr und Jesus von Nazaret lehrte schon vor zweitausend Jahren: "Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich jemand auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin." (Bibel, Matthäus 5,38–48)

 

Doch fast immer hat man niemanden unsachlich angegriffen, denn dass ist nicht die eigene Art und Weise und trotzdem „fühlt“ sich manchmal ein Gesprächspartner beleidigt. Richtig schwierig wird es, wenn man es nicht bemerkt hat, dass der andere sich „beleidigt fühlt“, da es ja auch nicht "wirklich" geschehen ist. Dabei macht sich manchmal auch Dummheit, Starrsinn oder Selbstverliebtheit breit. Wenn das Niveau schon ganz unten angekommen sein sollte, gibt es nur noch wenige Chancen genau das zu ändern.
Auf diesem Niveau der Dummheit und Unprofessionalität geht es dem anderen auch nicht mehr um Sachlichkeit oder Gemeinsamkeit, sondern nur noch darum, Recht zu behalten und jemanden zu verletzen und "nachtragend" zu bleiben und sich dem eigenen Haß zu ergeben. Wenn dann selbst Entschuldigungen und freundliche Nachgiebigkeit, auch wenn man nicht weißt wofür, nicht mehr weiterhelfen,  dann spätestens ist der Zeitpunkt gekommen, das Gespräch zu beenden. Dann sollte man dem anderen mit reinem Herz und ganz aufrichtig ein schönes weiteres Leben wünschen.

 

Ich habe das Buch auf dem Trödelmarkt dennoch erworben und empfehle das Studium des kleinen Nachschlagewerks, um Beleidigungen zu vermeiden. Das Lexikon der Beleidigungen ist die "schwarzer Liste" der Worte die man in einer Konversation und Debatte mit anderen nicht verwenden sollte!

Wer es nicht kaufen will, kann es es sich bei mir auch gerne aussleihen, um es dann mehrfach seiner erhabenen Bestimmung zuzuführen.

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