Wenn Freunde zu Rassisten werden!

Alltagsrassismus begegnet einem überall. Viele Menschen achten nicht mehr darauf, wenn der Nachbar sich über den „fetten Ausländer“ aufregt, die Rechtsanwaltin über „polnische Autodiebe“ wettert, die Kollegin schimpft über den Kollegen, weil er nicht richtig deutsch schreiben könne, … ein pädophiler und sexsüchtiger Taxifahrer trifft sich mit vierzig Jahre jüngeren dunkelhäutigen Frauen, der verfressene Partygast bezeichnet kurdische Mitbürger als „Ölaugen“, ein Polizeianwärter verbreitet an der Fachhochschule rassistische Bilder, ein Schausteller belästigt minderjährige Thaimädchen, ein frustierter Lehrer will deutschen Muslime ausbürgern, ...

Dieser Alltag ist im Kern ein offen zur Schau gestellter Rassismus und es sind eben nicht nur ein paar "Vorurteile". Die meisten Zuhörer und Zuschauer dulden diese Dinge nicht nur, sondern verschaffen durch ihr Schweigen den Rassisten und Sexisten erst den Raum, in dem sie ihren Rassismus ausbreiten können. Selbst da, wo man es am wenigsten erwarten würde, werden solche Attacken nicht nur geduldet, sondern deren Protagonisten ziehen sogar als Volksvertreter in die Ausschüsse der Stadt- und Gemeinderäte und Landtage ein.


Auch wenn man solchen Alltagsrassismus seit seiner Kindheit kennt und gelernt hat dafür einen feinen Sinn zu entwickeln, greift dieser Sinn nicht immer. Der Unbekannte, der offen in Facebook behauptet, dass andere keine Deutschen seien, ist leicht als Rassist zu erkennen, doch leider ist man überrascht, wenn das bei Kollegen oder angeblichen Freunden erst viel später zu Tage tritt.


In Deutschland wird meist so getan, als ob dieser Rassismus nur ein Randphänomen sei. Aber Rassismus ist mitten in unserer Gesellschaft. Politiker sprechen häufig von „Rechtsradikalismus und Antisemitismus“. Doch das gibt kein realistisches Verständnis von Rassismus, wie ihn viele Menschen im Alltag erleben. Dabei geht es nicht nur um strukturelle Barrieren, die unbedingt überwunden werden müssen, sondern auch ein anwachsender gesellschaftlicher und alltäglichen Rassismus. In letzter Zeit wird genau dieser immer weiter "hoffähig".


Der aktuelle Aufstieg der rechten Partei AFD scheint überall die Rassisten zu beflügeln und sie trauen sich verstärkt, ihre Positionen sogar öffentlich aufzuschreiben. Die AFD tritt nicht nur mit rassistischen Wahlplakaten an, sondern propagiert auch ein sexistisches Frauenbild. Ihre inhaltlichen Positionen sind nicht nur vom rechten Rand abgeschrieben, sondern werden täglich mehr von Funktionären vertreten, welche aus dem rechtsradikalen Spektrum stammen und ihr Glück in der AFD suchen. Wie an den Wahlergebnissen zu sehen ist, haben sie mit rechten Parolen auch Erfolg und es ist mit einer massiven Eintrittswelle von Rechts in die AFD zu rechnen.


Auch innerhalb anderer Parteien wird der Alltagsrassismus und Sexismus zunehmend geduldet und manchmal wächst er sich sogar zu frontalen Beschimpfungen aus. Dabei wird der Rassismus in den eigenen Reihen heruntergespielt oder so getan als wäre es kein Rassismus. Da Rassismus in einer demokratischen Partei ja "nicht sein darf", suchen Pressesprecher und Parteifreunde nach Entschuldigungen oder Rechtfertigungen. Sowas ist nicht nur beschämend, sondern macht deutlich, warum und wie sich Alltagsrassimus fast ungestört verbreiten kann.

Und wenn dann auch noch Kollegen und sogar Freunde ihre Sympathie oder ihr Verständnis für die AFD erklären, diese vielleicht wählen oder dort mitmachen, geht es um mehr als nur dumme Sprüche, Polemik und Beschimpfungen in einer hitzigen Debatte.


Jeder kann gegen Rassismus etwas tun. In unserer Gesellschaft müssen die verschiedenen Perspektiven sichtbar werden, vor allem die der Menschen,  die Rassismuserfahrungen haben. Statt solche Erfahrungen abzutun muss man mehr zuhören, respektvoller mit den Mitmenschen umgehen und Verantwortung für unser Handeln übernehmen. Diese bedeutet, dass man diejenigen, die rassistische „Sprüche klopfen“, überall entgegentreten muss und diesen Alltagsrassimus nicht abtun und dulden darf. Es gibt keinen Unterschied bei „alltäglichen“ oder "unbedachten" Sprüchen, denn dahinter steht rassistische Meinungsmache.

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Kommentare: 2
  • #1

    xyz (Sonntag, 28 Februar 2016 16:13)

    wenn idioten zu Journalisten werden

  • #2

    nika (Sonntag, 05 November 2017 11:11)

    Ich trete solchen Menschen entgegen, sei es im realen Leben oder im Internet, Alltagsrassissmus darf nicht einfach hingenommen werden.
    Danke, guter Artikel

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