
Köln präsentiert sich immer gerne als weltoffene, internationale und tolerante Metropole im Rheinland. Die Stadt wirbt mit Vielfalt, Gastfreundschaft und kultureller Offenheit. Doch genau dieses Selbstbild bekommt Risse, wenn wir uns anschauen, wie die Ordnungskräfte der Stadt Köln nach dem WM-Halbfinale zwischen Argentinien und England am Ebertplatz gegen friedlich feiernde Kölner vorgegangen sind.
Nach dem verdienten Einzug Argentiniens ins Finale feierten zahlreiche argentinische Fans friedlich den Erfolg ihrer Mannschaft. Der Ebertplatz wurde während der WM zum Treffpunkt für die Übertragung der WM-Spiele und alle freuten sich auf das Finale auf dem Platz. Doch daraus wird nun nichts. Nach dem rigorosen Einschreiten des Ordnungsamtes haben die Organisatoren die geplante Finalübertragung abgesagt. Die Enttäuschung und der Ärger unter den zahlreichen kölner Fans sind groß. (siehe dazu den Bericht im Online Magazin Koeln221.de hier https://www.koeln0221.de/koelner-gauchos-sauer-ordnungsamt-sprengte-unsere-wm-party/ )
Die Stadt verweist grundsätzlich auf Lärmschutz, öffentliche Ordnung und bestehende Auflagen. Das sind legitime Interessen. Selbstverständlich gelten Regeln für alle. Doch genau hier beginnt die eigentliche Diskussion: Gelten sie tatsächlich für alle gleichermaßen?
Jahr für Jahr investiert Köln erhebliche Mittel in Polizeieinsätze, Sicherheitskonzepte und Verkehrsmaßnahmen rund um Bundesliga-Spiele, Spiele der deutschen Nationalelf (Männer/Frauen), Karneval und andere Großveranstaltungen. Wenn deutsche Fußballfans feiern, wird dies regelmäßig als Teil der kölsche Kultur akzeptiert. Umso irritierender wirkt der Umgang mit friedlich feiernden argentinischen Fans am Ebertplatz.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wäre das Ordnungsamt genauso eingeschritten, wenn an gleicher Stelle deutsche Fans nach einem WM-Halbfinalsieg Deutschlands gefeiert hätten? Tatsächlich wären die Fans eh bald glücklich und erschöpft heim gegangen und alles hätte sich von selbst erledigt. So wie es auch deutsche Fans tun, die morgens wieder zu ihrer Arbeit raus müssen.
Niemand kann diese Frage derzeit eindeutig beantworten. Gerade deshalb muss die Stadt transparent darlegen, welche konkreten Gründe für das Einschreiten ausschlaggebend waren.
Der Eindruck struktureller Ungleichbehandlung darf nicht entstehen
Noch schwerer wiegt ein anderer Aspekt. Wenn Menschen mit internationalem Geschichte den Eindruck gewinnen, sie würden von Behörden anders behandelt als Mehrheitsangehörige, ist das nicht nur ein kleines Kommunikationsproblem. Es berührt die Frage nach möglichen strukturellen Benachteiligungen im Verwaltungshandeln auch in Köln.
Es gibt derzeit keine öffentlich bekannten Belege dafür, dass das Ordnungsamt im vorliegenden Fall rassistisch motiviert gehandelt hat. Ein solcher Vorwurf wäre ohne belastbare Tatsachen nicht gerechtfertigt.
Dennoch darf die Frage gestellt werden, ob Entscheidungen dieser Art – unabhängig von den handelnden Personen – Teil eines strukturellen Problems sein könnten. Über strukturelle Diskriminierung wird gerade deshalb diskutiert, weil Benachteiligungen auch ohne individuelle rassistische Absichten entstehen können, wenn bestimmte Gruppen wiederholt strengeren Kontrollen, geringerer Akzeptanz oder anderen Maßstäben ausgesetzt sind. Dies zeigen aktuelle Studien und Berichte sehr deutlich und das ist auch in Köln nicht anders.
Gerade eine weltoffene Stadt wie Köln sollte ein großes Interesse daran haben, dass ein solcher Eindruck gar nicht erst entsteht.
Deshalb reicht der Hinweis auf geltende Vorschriften allein nicht aus. Die Stadt sollte nachvollziehbar erklären, warum am Ebertplatz eingeschritten wurde und ob in vergleichbaren Fällen mit anderen Fangruppen dieselben Maßstäbe gelten, auch wenn sie nicht die deutsche Fahne schwingen.
Weltoffenheit zeigt sich nicht in Broschüren oder Imagekampagnen. Sie zeigt sich im konkreten Verwaltungshandeln. Nur wenn Regeln transparent, nachvollziehbar und für alle gleichermaßen angewendet werden, kann das Vertrauen in die Gleichbehandlung gestärkt werden. Andernfalls bleiben Fragen offen – und mit ihnen der Eindruck, dass Köln seinem eigenen Anspruch auf Vielfalt und Gleichbehandlung nicht immer gerecht wird.
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