„Wo sind meine Kinder?"

Iran-Proteste Januar 2026: Welche Opferzahlen stimmen?

Wo sind meine Kinder? Iran Januar 2026
Wo sind meine Kinder? Iran Januar 2026

Die Berichte über hohe Opferzahlen bei den Protesten im Iran im Januar 2026 erschüttern die Welt. Jetzt gelangen immer mehr Berichte, Videos und Fotos von den Ereignissen zu uns. Aus den Zahlen werden Menschen, Töchter, Söhne, Mütter und Väter. Immer mehr Geschichten zu den Schicksalen vermischen sich bei uns mit Wut und Tränen. Wir alle waren in den letzten Tagen schockiert und werden durch neue Informationen erschrocken. Doch wir schweigen nicht:

Unsere Antwort auf diese Gewalt heißt Widerstand und es wird klar, dass Schweigen keine Option ist.

 

Entwertung des Menschen

 

Aus der Perspektive der demokratischen Opposition im Iran (zu der Gruppen wie linke Aktivisten, progressive Intellektuelle und Dissidenten gehören), die sich gegen autoritäre Strukturen stellen und für soziale Gerechtigkeit, Gleichheit und echte Demokratie und eine Republik eintreten – stellen die Ereignisse der Januar-Proteste 2026 einen traurigen und schlimmen Höhepunkt der systematischen Unterdrückung dar, die das Regime seit der Islamischen Revolution 1979 perfektioniert hat. Diese demokratische Opposition, die historisch in der Revolution mitwirkte in der Hoffnung auf eine gerechtere Gesellschaft, wurde selbst Opfer der Theokratie und sieht in der aktuellen Repression eine Fortsetzung des politischen Islamismus, der Leben als entbehrlich betrachtet, solange es der Machterhaltung dient.


Unter den vielen Opfern befanden sich neben einfachen Menschen auch viele Frauen, sehr junge Menschen und eine erhebliche Zahl von Kindern, die Opfer der Gewalt wurden – ein Muster, das die Brutalität des Regimes unterstreicht und an vergangene grausame Unterdrückungskampagnen erinnert. Die Einschätzung basiert auf langjährigen Erfahrungen mit Brutalität, die nicht nur physisch, sondern auch ideologisch zerstörerisch wirkt, und unterstreicht, dass der Regimewechsel nicht durch weitere Autoritarismen oder militärische Intervention, sondern durch basisdemokratische Strukturen erfolgen muss.

 

Die Härte und Repression: 

 

Ein Muster der systematischen Unterdrückung Die demokratische Opposition betrachtet die Repression während der Januar-Proteste als kalkulierten Versuch des Regimes, jegliche Form des Widerstands zu brechen und zu ersticken, indem es auf bewährte Methoden wie Massenverhaftungen, Internet-Blackouts und unverhältnismäßige Gewalt, gezielte Tötungen, Folter, Vergewaltigung, ... zurückgreift. Angehörige, die ihre getöteten Familienmitglieder finden und würdig beerdigen wollen, müssen ihre toten Körper freikaufen und sogar die Munition bezahlen, mit der ihre Kinder erschossen wurden. Alle anderen wurden in Massengräbern verscharrt.

Schätzungen von anerkannten und hochglaubwürdigen Organisationen wie Amnesty International, Human Rights Watch (HRW), Human Rights Activists News Agency (HRANA), Iran Human Rights (IHR), der UN-Sonderberichterstatterin für Iran (Mai Sato) oder dem UN-Menschenrechtsrat, sowie glaubwürdige Medienrecherchen sprechen von mindestens 3.428 bis sogar über 33.000 Toten in kürzester Zeit, was die Proteste zu den blutigsten in der modernen iranischen Geschichte macht. Über 40.000 Verhaftungen und Tausende von Fällen erzwungener Geständnisse unter Folter, Schnellhinrichtungen in den Gefängnissen erinnern an die Erfahrungen nach 1979, als linke Revolutionäre  (anfangs und damals nach Alliierte der Islamisten) massenhaft hingerichtet oder inhaftiert wurden, weil sie eine säkulare, egalitäre und demokratische Gesellschaft forderten.

 

Die Härte manifestiert sich nicht nur in direkter Gewalt, sondern in einer militarisierten Kontrolle, die Ausgangssperren, Verbote von Versammlungen und weitere Angriffe auf Opferfamilien oder Opfer in den Krankenhäusern umfasst, um Trauer und Solidarität zu unterbinden. Berichte aus dem Iran sprechen von systematischer und automatisierter Tötung durch gezielte Todesschüsse in den Kopf und automatische Waffen, die gegen Demonstranten wie gegen Ungeziefer eingesetzt wurden – eine Dehumanisierung, die die ideologische Kälte des Regimes offenbart.

 

Aus demokratischer Sicht ist dies keine Reaktion auf „Terrorismus“, wie das Regime es darstellt, sondern eine Verteidigung eines Systems, das wirtschaftliche Ungleichheit perpetuiert und Ressourcen für ideologische Exporte (wie „Tod Amerika“) verschwendet, während die Bevölkerung leidet. Die Opposition warnt, dass solche Blackouts und Massenverhaftungen nicht nur die Proteste blockieren und brechen, sondern eine dauerhafte Kultur der Angst und des Terrors schaffen, die basisdemokratische Organisierung erschwert.

Islamistischen Söldner stützen das Regime

 

Berichte sprechen von gezieltem Einsatz von Söldnern der Hamas und Hisbollah sowie iranfreundlichen Milizen aus Nachbarländern der Region und internationalen Terrorgruppen, da sie keine Beziehung zu den Menschen vor Ort haben. Eine Taktik, die das Regime nutzt, um lokale Hemmungen zu umgehen. So wurde bekannt, dass sich in manchen Städten die örtlichen Polizeikräfte schwer damit taten, mit harter Gewalt gegen die Nachbarn vorzugehen, was das Regime zu ausländischen Kräften greifen ließ.

 

Todesstrafen als Werkzeug der Angst Ein zentraler Kritikpunkt der linken Opposition ist der zynische Einsatz der Todesstrafe, der seit den Woman-Life-Freedom-Protesten 2022 eskaliert ist und 2025 auf Rekordniveau (mehr als 1.000 Exekutionen) anstieg, um Dissens und Widerspruch zu terrorisieren. Im Januar 2026 drohte das Regime explizit mit Kapitalstrafen für „Randalierer“ oder „Saboteure“, obwohl offizielle Aussagen wie die des Außenministers beteuern, es gebe „keine Pläne für Hinrichtungen“ – eine Taktik, die Protestierende als „Terroristen“ umdeutet, um drakonische Strafen und Hinrichtungen zu rechtfertigen.

 

Historisch erinnern diese Drohungen an die 1980er-Jahre, als Tausende demokratische Oppositionelle exekutiert wurden, oft nach durchschaubaren Schauprozessen. Die Opposition sieht darin eine Fortsetzung der „islamistischen Revolution“ des Terrors: Linke, die 1979 gegen den Schah kämpften, wurden von Khomeini und seinen Schergen massenhaft eliminiert, sobald sie nicht mehr nützlich waren. Aktuell besteht die Gefahr schneller Prozesse und Massenhinrichtungen, was die UN und Menschenrechtsgruppen als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ brandmarken und damit öffentlich machen. Aus demokratischer Sicht verstärkt dies die Ungleichheit: Marginalisierte Gruppen wie Frauen, Kurden und Arme werden disproportional hingerichtet, während das Regime seine Macht konsolidiert.

 

Ob es 33.000 oder 3.428 Opfer waren, ist keine zentral Frage, denn am Ende stehen hinter beiden sehr großen Zahlen Menschen und hinter jeder einzelnen Zahl ein Opfer, ihre Freunde und Angehörigen und der Verlust von Leben, Menschlichkeit, Erfahrungen, Gefühlen, Wissen, Ideen, Kreativität und der Chance auf Glück.

 

Geringe Wertschätzung von Leben im politischen Islamismus 

 

Der politische Islamismus des Regimes, der sich als gottesfürchtig und anti-imperialistisch tarnt, wird von der demokratischen Opposition als fundamentale Bedrohung für menschliches Leben gesehen – ein System, das Individuen opfert, um eine theokratische Ideologie zu erhalten. Slogans wie „Tod Amerika“ oder „Tod Israel“ lenken von inneren Problemen ab und rechtfertigen Gewalt, die Tausende Leben kostet, wie in den Massakern von Januar 2026. Für die Islamisten waren die Menschen schlicht „Feinde Gottes“, die ihr Leben durch „Gotteslästerung“ verwirkt haben und deshalb schlicht beseitigt werden können – eine Ideologie, die Protestierende als „Ungläubige“ oder „Terroristen“ entmenschlicht. Historisch hat dies frühere Ideale pervertiert: Die Revolution 1979 versprach Gerechtigkeit, lieferte aber Repression, mit Hunderten von Frauen exekutiert für „Verstöße gegen religiöse Gesetze“.
Die Opposition kritisiert, dass Leben hier entbehrlich ist. Ob durch Schüsse auf Demonstranten, Folter oder Exekutionen. Dies steht im Kontrast mit westlichen Strömungen, die das iranische Regime romantisieren, ohne die Realität sehen zu wollen. Dies gilt für islamistische Gruppen, die z. B. den IS, Taliban, Hisbollah oder die Hamas unterstützen, aber auch für bestimmte internationalistische Gruppen, die im iranischen Regime einen potenziellen Bündnispartner gegen den „Kolonialismus der USA und Israels“ sehen. Auch kam es in den letzten Jahren in manchen Städten zu gemeinsamen Aktionen von rechten Reichsbürgern, Rechtsextremisten und Salafisten. Während viele Oppositionelle monarchistische Rufe ablehnen und für Pluralismus plädieren, gewinnen in der iranischen Diaspora weltweit die Anhänger des Sohnes des ehemaligen Schahs an Unterstützung. Die republikanische und demokratische Opposition hier und im Iran warnt dagegen vor neuen Autoritarismen.

 

Implikationen und Ausblick 

 

Aus Sicht der demokratischen Opposition unterstreichen die Januar-Ereignisse, dass der politische Islamismus in jeder Form und Gruppierung kein Verbündeter progressiver Ideale ist, sondern ein Feind der Freiheit, der durch Repression überlebt. Die Erfahrungen seit 1979 lehren, dass Bündnisse mit Theokraten scheitern und echte Veränderung basisdemokratisch, inklusiv und säkular sein muss. Internationale Solidarität (jenseits selektiver Empörung) ist essenziell, doch der Fokus liegt im Iran auf dem  innerem Widerstand gegen eine islamistische Ideologie und ein System, das Leben systematisch entwertet. Ohne radikale Demontage dieser Strukturen, ihrer Vasallen und globalen Unterstützung droht der Kreislauf von Blutvergießen fortzusetzen, was die Opposition zu Aufrufen für weltweiten Druck und innere Einheit motiviert.

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