Ein bergisches Märchen aus dem Rheinland - Strafanzeige statt Argumente

Es war einmal; und leider ist das keine Erfindung; ein grüner, wasserreicher Landstrich im Rheinland mit vielen Tälern: das Bergisches Land. Sanfte Hügel, Fachwerkhäuser, Wälder, Bäche, Talsperren. Viel Natur, viel Ruhe. Ein Ort, an dem ich meinen könnte, die Welt sei noch in Ordnung. Und irgendwo zwischen all dem Grünem sitzt eine Partei und führt einen Konflikt. Nicht politisch. Nicht demokratisch. Sondern… per Strafanzeige.

 

Wo früher Bäche rauschten, rauscht jetzt Papier

 

Während draußen die Dhünn und die Strunde leise durch die Landschaft fließen und die Wälder rund um Bergisch Gladbach im Wind rauschen, rauscht drinnen vor allem eines: Papier und Formulare. Strafanzeige hier, Vorwurf da, Drohung dort, Kommandoton hier, eben autoritär. Wir könnten fast glauben, die eigentliche Ressource dieser Region sei nicht Wasser, sondern Formulare und Autokratismus. Und während die Natur völlig unbeeindruckt weiter existiert, entfaltet sich im Inneren ein bizzares Schauspiel, das eher an ein schiefgelaufenes Grimm-Märchen erinnert als an ernsthafte Politik im Interesse der Menschen und Wähler:innen.

 

Die Zauberlehrlinge von der Dhünn und die Waldfee von der Strunde

 

Da stehen sie, die eifrigen Akteur:innen, irgendwo zwischen Parteigeschäftsstelle, Wildschweinjagd und Selbstüberschätzung, wie ein regionaler Ableger aus Der Zauberlehrling und die Waldfee aus Schneewittchen. Nur dass sie keine Besen zum Leben erwecken, oder keine Zauberstaub verstreuen, sondern Verfahrensabläufe und Prozesse. Und wie beim Original stellt sich schnell heraus: Die Dinge geraten schneller außer Kontrolle als erwartet. Nur fehlt hier die Meisterin und der Meister, die das Ganze wieder einfangen könnten. Vielleicht hätte Karl Marx dazu gesagt, dass sich Geschichte wiederholt; erst als Tragödie, dann als Farce. Im Bergischen LAnd wirkt es eher wie Farce von Anfang an bis zum bitteren Ende.

 

Rumpelstilzchen im Sitzungsraum

 

Ein anderer Teil der Geschichte erinnert an Rumpelstilzchen. Da wird im Verborgenen gewerkelt, gefordert, gedroht, geschrien; und am Ende soll etwas Wertvolles herauskommen: politische Kontrolle. Nur dass hier kein Stroh zu Gold gesponnen wird, sondern Konflikte zu leeren und wilden Strafanzeigen ohne Hand und Fuß. Und wie im Märchen steht irgendwann die entscheidende Frage im Raum: Wie heißt das eigentlich, was hier passiert? Sobald der Name klar ausgesprochen wird, verliert das Ganze seinen Zaubereffekt mit Überraschungseffekt und Abschreckung fehlt auch. Und während das kleine Männchen wütend um das Feuer tanzt und springt, hören wir aus der Ferne einen Satz von Rosa Luxemburg nachhallen und leider verhallen: Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden. Ein Satz, der in diesem Raum ungefähr so willkommen ist wie Licht in einer sehr dunklen Foto-Kammer.

 

Die Stadtmusikant:innen ohne Musik

 

Und dann sind da noch die, die sich zusammentun. Wir könnte sie fast für die Bremer Stadtmusikanten halten. Nur dass sie keine Musik machen, sondern Disziplinierung betreiben. Im bergischen Nebel klingt das dann ungefähr so: „Das wird jetzt so gemacht. ... oder lass es“;  „Diskussion beendet.“; „Das wird angezeigt bei der Polizei.“ …  Ein Chor aus Anweisungen und Formulare statt Argumenten. Da höre ihn alle bis in die Täler mit Wasserrauschen; aber niemand bleibt stehen, um zuzuhören, wie das klinkt.

 

Die Kaiser:in und der König im Fachwerkhaus

 

Und über allem schwebt die vielleicht treffendste Szene: Des Kaisers neue Kleide; nur verlegt in ein bergisches Fachwerkhaus. Alle sehen, dass da nichts ist: * keine wirklich verständliche Begründungen; * keine überzeugenden Argumente; * keine politische Linie; * keine Strategie …  Aber einige tun so, als wäre alles in bester Ordnung und umarmen sich vor Glück. Bis jemand den offensichtlichen Satz ausspricht. Und genau in diesem Moment kommt sie wieder eine Trillerpfeife ins Spiel: die Strafanzeige.

 

Die Zauber:innen im alten im Wald

 

Wer durch die Wälder des Bergischen Lands spazieren geht, könnte sich vorstellen, wie die großen Figuren der Demokratiebewegung dort zwischen den Bäumen stehen, diskutieren und das Ganze beobachten. Der heimische Friedrich Engels würde vermutlich trocken feststellen, dass hier kein Klassenkampf stattfindet, sondern ein bemerkenswert kleinteiliger Ersatzkonflikt von Spießern. Die große Clara Zetkin würde sich fragen, wann genau die politische Organisierung durch autoritäres Gehabe ersetzt, zersetzt und zerstört wurde. Und der begabte Antonio Gramsci hätte vermutlich eine klare Antwort darauf, warum Hegemonie so sicher nicht entsteht, sondern leicht durchschaubar bleibt.

 

Und die Moral liegt im Tal

 

Das alles ist tatsächlich kein Märchen. Auch wenn es sich genauso liest. Es ist eine wahre Geschichte aus einem schönen Landstrich, der eigentlich für ganz andere Dinge bekannt ist: Natur, Wasser, Ruhe, Schnaps, .... Und genau hier zeigt sich etwas sehr Grundsätzliches und Tiefgreifendes: Wenn eigentlich politische Konflikte tatsächlich nicht mehr politisch geführt werden, sondern kriminalisiert, dann geht es nicht mehr um Inhalte; nicht mal mehr vorgeschoben. Dann geht es um eingebildete Macht, um Sucht nach Kontrolle – und oft genug um nichts weiter als verletzten Ehrgeiz oder Stolz. Das Ergebnis ist so vorhersehbar wie unerquicklich peinlich: * weniger Debatte; * mehr Einschüchterung; * weniger Engagement; * mehr Schaden; * wenig Freunde … Und während draußen die blauen Bäche weiter fließen und die Wälder noch ruhig bleiben, passiert drinnen doch etwas ganz anderes: Das fahren manche mit erstaunlicher Konsequenz genau das gegen die sprichwörtliche Wand, wofür sie angeblich stehen und eingetreten sind. brahm ....

 

Kein Märchen, sondern Dummheit

 

Am Ende bleibt – bei aller erfrischender Satire – eine nüchterne und bittere Erkenntnis: Das, was hier passiert, ist keine fortschrittliche Politik. Es ist keine neue soziale Strategie. Es ist keine menschliche Stärke. Es ist schlicht das, was sichtbar wird, wenn politische Substanz fehlt und durch Lautstärke, Drohungen und Anzeigen ersetzt wird. Oder, um es im Stil des Bergischen Landes zu sagen:

 

Zwischen all dem Grün und vielen Wasser zeigt sich manchmal nicht die erhoffte Weisheit der Natur – sondern einfach nur sehr menschliche, sehr handfeste politische Dummheit.

Hier auch dazu lesen:

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Kommentare: 2
  • #1

    Rumpelstilzchen (Montag, 20 April 2026 16:21)

    Wie es in den Wald hineinschallt…

  • #2

    ohne Moral (Montag, 20 April 2026 19:11)

    Ein Wähler ist sauer, dass er seine Stimme Die Linke gegeben hat ...

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