Rezepte

Mi

27

Mai

2026

Bergische Bohnensuppe mit Süßlupinen

Wie eine fast vergessene Pflanze plötzlich wieder modern wurde

Foto: Jean-Claude Echardour [CC BY-SA], via Tela Botanica
Foto: Jean-Claude Echardour [CC BY-SA], via Tela Botanica

Im Bergischen Land wusste wir schon immer: Wir müssen aus dem etwas machen, was der Boden hergibt. Die Landschaft ist wunderschön, aber landwirtschaftlich leider nicht die Toskana. Viel Regen, hügelige Flächen und oft eher magere Böden – da brauchte es Pflanzen, die robust sind und keinen aristokratischen Sonderwünsche nach mediterraner Sonne haben. Eine davon ist die Lupine.

 

Heute klingt „Süßlupine“ ein bisschen nach "Bio-Supermarkt", veganem Hipster-Cappuccino und nachhaltigem Food-Startup mit Holzlogo. Tatsächlich hat die Pflanze aber eine ziemlich bodenständige Geschichte. Schon die Römer kannten Lupinen, später wurden sie in Europa als Tierfutter, Gründüngung und Lebensmittel genutzt. Nur hatten die alten Sorten einen Haken: Sie waren bitter. Sehr bitter. So bitter, dass sie erst tagelang gewässert werden mussten, bevor sie essbar waren. Wahrscheinlich entstanden dabei die ersten ernsthaften Diskussionen darüber, ob Hunger nicht doch die bessere Alternative sei.

 

Erst der deutsche Pflanzenzüchter Reinhold von Sengbusch machte die Lupine in den 1920er Jahren wirklich alltagstauglich. Er züchtete die alkaloidarmen „Süßlupinen“, die ohne langes Entbittern essbar wurden. Damit bekam Deutschland plötzlich eine heimische Eiweißpflanze – lange bevor irgendwo jemand das Wort „Proteintrend“ erfand.

 

Und das passte hervorragend ins Rheinland und Bergische Land. Denn Lupinen wachsen auch dort, wo andere Pflanzen eher beleidigt eingehen. Gleichzeitig verbessern sie den Boden, weil sie Stickstoff aus der Luft binden. Bauern wussten das zu schätzen. Die Lupine war also nicht nur Nahrung, sondern auch eine Art natürliche Bodenpflege mit Wurzeln.


Besonders in schwierigen Zeiten spielte sie eine Rolle. Während der Weltkriege und in den Nachkriegsjahren wurde aus Lupinen sogar Kaffeeersatz hergestellt. Echter Kaffee war knapp oder teuer – also kamen geröstete Lupinenkerne in die Tasse. Nicht jeder war begeistert, aber wie wir im Rheinland wissen: „Et kütt wie et kütt.“ Und wenn kein Kaffee da ist, dann eben Lupinenkaffee.

 

Heute erlebt die Süßlupine ein Comeback. Nicht aus Not, sondern weil viele Menschen wieder regionaler, nachhaltiger und bewusster essen wollen. Die Pflanze enthält viel Eiweiß, Ballaststoffe sowie Magnesium und Eisen. Außerdem braucht sie keine langen Transportwege aus Übersee. Während Sojabohnen oft um die halbe Welt reisen, kann die Lupine praktisch von nebenan kommen – vielleicht sogar vom Feld hinter dem Dorf.


Und genau deshalb passt sie so gut in die bergische Küche: bodenständig, sättigend, regional und ein bisschen unterschätzt.

 

Zum Beispiel in einer kräftigen Bergischen Bohnensuppe mit Süßlupinen. Deftig, ehrlich und perfekt für Tage, an denen das Wetter draußen wieder zeigt, warum das Bergische Land so schön grün ist.

 

Rezept: Bergische Bohnensuppe mit Süßlupinen

 

Zutaten für 4 Personen

  • 200 g gekochte Süßlupinenkerne 
  • 300 g grüne Bohnen 
  • 4 mittelgroße Kartoffeln 
  • 1 Lauchstange 
  • 1 große Zwiebel 
  • 1 Liter Gemüsebrühe 
  • 1 Bund Petersilie 
  • 2 EL Öl oder Butter 
  • Salz 
  • Pfeffer 
  • Muskatnuss 

Zubereitung

  1. Kartoffeln schälen und würfeln. Bohnen putzen und in Stücke schneiden. Lauch in feine Ringe schneiden, die Zwiebel klein würfeln. 
  2. Öl oder Butter in einem großen Topf erhitzen. Die Zwiebeln glasig anbraten, dann den Lauch hinzufügen und kurz mitdünsten. 
  3. Kartoffeln und Bohnen dazugeben, alles mit Gemüsebrühe auffüllen und etwa 20 Minuten köcheln lassen. 
  4. Die gekochten Süßlupinenkerne hinzufügen und weitere 5 Minuten mitziehen lassen. 
  5. Mit Salz, Pfeffer und einer Prise Muskat abschmecken. Zum Schluss die gehackte Petersilie unterrühren. 

Dazu passt kräftiges Bauernbrot – und wer möchte, natürlich eine Tasse Lupinenkaffee. Ganz traditionell.

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Fr

03

Apr

2026

Bergisches Spitzkuchen-Vergnügen – mit 'nem Schuss rheinischem Schwung und echter Arbeiter:innen-Seele

Ach, ihr Lieben aus dem Bergischen! Wer kennt sie nicht, die klassischen Rheinischen Spitzkuchen? Dieses würzige, fruchtige Dreieck-Gebäck, das früher bei Weihnachten, Ostern, Kindergeburtstagen oder zu Sankt Martin auf dem Tisch landete – goldbraun gebacken, mit Schoko überzogen und so lecker, dat einem dat Wasser im Mund zusammenläuft. Ich hab's mir genau angeschaut und daraus ein 100 % veganes Rezept gezaubert. Kein Honig, keine Milch, keine Tierprodukte – aber der volle Geschmack bleibt erhalten. Und weil wir hier im Bergischen Land sind, wo die Wupper und Agger durch die Täler plätschert und die Menschen schon immer wussten, wie man aus wenig viel macht, passt dat perfekt zu unserer Geschichte von Zusammenhalt und Durchhaltevermögen. Dat backt sich wie von selbst.

 

Wahre Geschichten aus dem Bergischen, die dazu passen wie Schoko auf Spitzkuchen

 

Während der Teig beim Backen ruht, kommt die echte Seele ins Spiel. Im Bergischen Land war das Backen nie nur Nascherei – es war Zusammenhalt. Denkt an die 1920er und 30er Jahre in der Umgebung: Das Bergische war ein heißes Pflaster der Arbeiter:innenbewegung. Hier, wo Friedrich Engels als Sohn eines Fabrikanten die Not der Textilarbeiter:innen und Schleifer hautnah miterlebt hat, wuchs die SPD und die Freien Gewerkschaften stark heran. Engels hat später in seinen Schriften die Ausbeutung beschrieben – aber die Menschen hier haben sich nicht unterkriegen lassen. In Elberfeld und Barmen (heute Wuppertal) gab's geheime Versammlungen, wo nach 'nem harten Tag in der Fabrik nicht nur geredet, sondern auch geteilt wurde. Solche gewürzten, haltbaren Kuchen wie unsere Spitzkuchen waren typisch: preiswert, lange haltbar und perfekt zum Mitbringen. „Krieje us nit kaputt!“ – dat Motto aus 'ner illegalen Wuppertaler Karnevalszeitschrift von 1936 – passt perfekt. Die Arbeiterfamilien haben trotz Verfolgung durch die Nazis weiter gebacken und geteilt, um den Mut nicht zu verlieren.

 

Noch konkreter: Die berühmten Wuppertaler Gewerkschaftsprozesse 1935/36. Hunderte Gewerkschafter:innen und Sozialdemokrat:innen aus dem Bergischen Land wurden verhaftet, weil sie sich gegen die Nazis organisiert hatten. Im frühen KZ Kemna bei Wuppertal saßen viele von ihnen ein – Bergische Schleifer, Textilarbeiter:innen, ganze Familien-Netzwerke. 


Und wisst ihr wat? Selbst in der Not hielten sie fest zusammen. Berichte aus der Zeit erzählen, wie Häftlinge in den Zellen von früheren Familienfesten sprachen, von Backtraditionen, die sie aus der Heimat kannten. Solche Spitzkuchen waren genau das: Etwas, das man teilen konnte, das nach Heimat schmeckte und den Geist wachhielt. 

„Dat schmeckt wie früher bei Mudder in der Küche, als wir noch für 'n besseres Leben gekämpft haben“, so ähnlich haben's manche überliefert. Dat war rheinischer Trotz pur – mit 'nem Hauch Bergischer Sturheit.


Oder schaut auf die Friedensbewegung: Im Bergischen hat's immer Leute gegeben, die nicht nur für Löhne, sondern auch für Frieden einstanden. Nach 1945, als die Ruinen noch rauchten, haben Gewerkschafter:innen und SPDler:innen im Rheinisch-Bergischen Kreis mit angepackt, um aus dem Schutt 'ne bessere Welt zu bauen. Dat passt zu 'ner Region, wo viele wissen: Gemeinsam backen, gemeinsam kämpfen, gemeinsam feiern.

 

Kurz gesagt: Unsere veganen Spitzkuchen sind mehr als Gebäck. Sie sind 'n Stück Bergische Seele – gewürzt mit Geschichte, süß von Solidarität und schoko-überzogen mit rheinischem Humor. Backt sie nach, teilt sie mit Nachbarn oder Kolleg:innen, und denkt dabei: Im Bergischen Land haben wir schon immer gewusst, dat dat Leben süß wird, wenn man zusammensteht. Guten Appetit und „Prost auf die Bewegung!“

 

Zutaten (für ca. 80-100 kleine Spitzkuchen – reicht für 'ne große Runde bei den Kolleg:innen oder zum Verschenken)

  • 50 g Apfeldicksaft (Äpfel gibt es viele in der Region) oder Agavendicksaft – beides ersetzt den Honig wunderbar
  • 200 g Zuckerrübensirup (der klassische rheinische Touch!)
  • 500 g Mehl (Type 405 oder 550)
  • 100 g Rosinen
  • 100 g Korinthen
  • 50 g Orangeat (fein gehackt)
  • 100 g Zitronat (Sukkade, gehackt)
  • 100 g gehobelte Mandeln
  • 1 TL gemahlener Zimt
  • ½ TL gemahlener Kardamom
  • 1 Messerspitze gemahlene Nelken
  • 1 Prise Salz
  • 3 g Pottasche (Backtriebmittel – in der Apotheke oder online)
  • 3 EL Hafermilch (oder eine andere pflanzliche Milch, mit der ihr gute Erfahrungen bei Backe gemacht habt.)
  • 500 g vegane Zartbitter-Kuvertüre (mind. 70 % Kakao, ohne Milch)

So backt ihr's – Schritt für Schritt, ganz entspannt

  1. Die süße Basis vorbereiten: Apfeldicksaft und Zuckerrübensirup in einem kleinen Topf bei milder Hitze unter Rühren so erwärmen, bis alles schön flüssig und gut vermischt ist. Lasst die Masse abkühlen – nicht zu heiß werden lassen, sonst wird der Teig klebrig wie 'ne Bergische Kaffeetafel nach drei Tassen mehr.
  2. Teig kneten mit Herz: Die Hälfte des Mehls unter die Sirup-Masse rühren. Jetzt kommen Rosinen, Korinthen, Orangeat, Zitronat, Mandeln und alle Gewürze dazu. Die Pottasche in der Hafermilch auflösen und mit dem restlichen Mehl gut unterkneten. Der Teig wird fest und duftend – wie die alten Bergischen Küchen, wo's nach Zimt und Gewürzen roch, wenn die Schicht mal wieder zu Ende war. Zugedeckt über Nacht in den Kühlschrank stellen. (Dat ruht wie 'ne Gewerkschaftsversammlung nach 'nem langen Streiktag.)
  3. Formen und backen: Backofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze (Umluft 160 °C) vorheizen. Ein Blech mit Backpapier auslegen. Den Teig in 6 Portionen teilen, auf bemehlter Fläche zu ca. 20 cm langgezogene Rollen formen. Je 3 Rollen mit Abstand aufs Blech legen, leicht flachdrücken. Auf mittlerer Schiene ca. 25 Minuten lang backen, bis sie goldbraun sind. Abkühlen lassen, jede Rolle in ca. 15 spitze Dreiecke schneiden und komplett auskühlen lassen.
  4. Der Schoko-Finish: Kuvertüre im warmen Wasserbad schmelzen. Die Spitzkuchen eintauchen, abtropfen lassen und auf Backpapier setzen. Fest werden lassen – und fertig ist dat Festgebäck! Hält sich in 'ner Dose wochenlang, wenn ihr's schafft, die Finger wegzulassen.

Tipp mit rheinischem Augenzwinkern: Wenn's mal schneller gehen soll, könnt ihr die Trockenfrüchte auch etwas einweichen. Das schmeckt nicht nur an Feiertagen wie zu Ostern – probiert's mal bei 'ner Bergischen Kaffeetafel mit Waffeln und Reisauflauf. Dat is' ne Wucht!

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Mo

16

Feb

2026

Süßer Widerstand mit Tradition im Rheinland!

Rezept vegan für Berliner

Kaum ein Gebäck steht im Rheinland so sehr für Lebensfreude, Karneval – und ein Stück Sozialgeschichte – wie der Berliner. Ob mit Marmelade, Likör oder Schokolade gefüllt, mit Puderzucker bestäubt oder mit Zuckerguss überzogen: Zur Karnevalszeit gehört er zwischen Köln, Bonn und dem Bergischen Land einfach dazu.

Doch der Berliner ist mehr als nur ein süßer Klassiker. Seine Geschichte ist eng verwoben mit städtischer Kultur, Handwerkstradition – und der Geschichte der Arbeiterbewegung.

 

Berliner, Krapfen, Pfannkuchen – ein Gebäck mit vielen Namen

 

Das runde, in Fett ausgebackene Hefeteiggebäck mit Marmeladenfüllung heißt in Berlin „Pfannkuchen“, in Bayern „Krapfen“ und im Rheinland schlicht „Berliner“. Historisch belegt ist das Gebäck seit dem 18. Jahrhundert. Die Bezeichnung „Berliner Pfannkuchen“ taucht im 19. Jahrhundert in Kochbüchern auf.

Im Rheinland verbreitete sich der Berliner vor allem über die städtischen Bäckerzünfte des 19. Jahrhunderts – einer Zeit rasanter Industrialisierung entlang des Rheins.

 

Karneval, Rheinischer Katholizismus – und soziale Spannungen

 

Mit der Industrialisierung wuchs im 19. Jahrhundert die Arbeiterschaft im Rheinland stark an – besonders in Städten wie Köln, Düsseldorf oder im Ruhrgebiet. Fabrikarbeit, lange Arbeitszeiten und geringe Löhne prägten den Alltag vieler Menschen.

Gleichzeitig entwickelte sich der organisierte rheinische Karneval neu. 1823 wurde in Köln das „Festordnende Komitee“ gegründet – ein Meilenstein der bürgerlich geprägten Karnevalstradition. Der Karneval hatte dabei immer auch eine soziale Dimension: Er erlaubte, gesellschaftliche Missstände satirisch und politisch zu kommentieren.

Für Arbeiterinnen und Arbeiter war Karneval – ebenso wie der Berliner als erschwingliches Festgebäck – ein Moment des kollektiven Erlebens. Anders als aufwändige Torten war der Berliner relativ günstig herzustellen: Hefeteig, etwas Zucker, Fett zum Ausbacken und eine einfache Füllung.

 

Berliner und die Arbeiterbewegung

 

Die organisierte Arbeiterbewegung entstand im Rheinland in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Mit der Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei 1869 (einer Vorläuferin der späteren SPD) und der starken gewerkschaftlichen Organisation in Industriezentren war das Rheinland ein wichtiges Terrain politischer Auseinandersetzungen.

Bäckereien gehörten häufig selbst zum handwerklich organisierten Kleinbürgertum – standen aber zugleich in enger wirtschaftlicher Beziehung zur Arbeiterschaft. In Arbeiterkneipen, Versammlungshäusern und bei politischen Treffen wurden einfache Speisen und Gebäck gereicht. Süßes Hefegebäck wie Berliner war dabei kein Luxusprodukt, sondern Teil einer bezahlbaren Festkultur.

Es gibt keine belegten Hinweise, dass Berliner ein explizites „Symbol“ der Arbeiterbewegung waren – wohl aber waren sie Teil jener Alltagskultur, in der sich Arbeitermilieus bewegten: erschwinglich, gemeinschaftlich konsumiert, besonders zu Festtagen.

Karneval und politische Satire überschneiden sich bis heute im Rheinland. Büttenreden und Wagenmotive griffen immer wieder soziale Ungleichheit, Unternehmerwillkür oder politische Skandale auf – ein Ausdruck der lebendigen rheinischen Protestkultur.

 

Heute: Berliner zwischen Tradition und Vielfalt

 

Heute gehört der Berliner fest zur rheinischen Karnevalssession. Bäckereien verkaufen ihn in großen Mengen und Rabattpaketen rund um Weiberfastnacht und Rosenmontag.

Die hier beschriebene vegane Variante knüpft an eine lange Tradition an: Hefegebäck kommt historisch oft ohne tierische Bestandteile aus – Eier wurden nicht in allen Rezepten verwendet. Mit pflanzlicher Milch und Margarine lässt sich der Klassiker problemlos tierfrei und lecker zubereiten.

 

Vegane Berliner – Das Rezept im Detail

 

Zutaten (für ca. 12 Stück)

            Für den Teig:

  • 500 g Weizenmehl (Type 550)
  • 1 Würfel frische Hefe (42 g) oder 1 Päckchen Trockenhefe
  • 80 g Zucker
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • 250 ml lauwarme Pflanzenmilch (z. B. Hafer-, Sojamilch oder mit einem Produkt, mit dem ihr gute Erfahrungen beim veganen Kochen gemacht habt)
  • 80 g vegane Margarine (weich)
  • 1 Prise Salz

    Zum Frittieren:
  • ca. 1 Liter neutrales Pflanzenöl (z. B. Sonnenblumenöl)

    Für die Füllung:
  • ca. 200 g Marmelade (klassisch: Himbeere oder Hagebutte. Es geht aber eigentlich alles Süße, was sich wie eine Creme einfüllen lässt. Da fällt jedem schon etwas neues ein. Vegane „Dulce de Leche“, vegane Schokocreme, Kokuscreme, … )

 

Zum Bestäuben und Garnieren:

  • Puderzucker, Zuckerguss oder Schoko, „Dulce“, oder anderes .. (siehe unten)

Zubereitung Schritt für Schritt:

  1. Hefeteig ansetzen
    Die Hefe in der lauwarmen Pflanzenmilch mit etwas Zucker auflösen und 5–10 Minuten stehen lassen, bis sie leicht schäumt.
    Mehl, restlichen Zucker, Vanillezucker und Salz mischen. Hefemischung und Margarine hinzufügen und alles zu einem glatten Teig verkneten (ca. 8–10 Minuten).
  2. Teig gehen lassen
    Den Teig abgedeckt an einem warmen Ort etwa 60 Minuten gehen lassen, bis er sich sichtbar vergrößert hat.
  3. Formen
    Den Teig auf einer bemehlten Fläche ca. 2 cm dick ausrollen. Kreise (ca. 7–8 cm Durchmesser) ausstechen.
    Nochmals 20–30 Minuten gehen lassen.
  4. Frittieren
    Öl auf ca. 170–175 °C erhitzen.
    Berliner portionsweise von jeder Seite etwa 2–3 Minuten goldbraun ausbacken.
    Auf Küchenpapier abtropfen lassen.
  5. Füllen
    Creme in einen Spritzbeutel mit langer Tülle geben. Seitlich in die Berliner einstechen und füllen.
  6. Bestäuben & Garnieren
    Mit Puderzucker bestreuen oder mit Zuckerguss überziehen. Gerne auch Nüsse, Mandelm, Liebesperlen, Trockenfrüchte, Schokostreusel, Weingummi, Kokus, etc..

 

Der Berliner ist im Rheinland mehr als ein süßes Gebäck. Er steht für Karneval, städtische Handwerkstradition und eine Festkultur, die auch in Zeiten sozialer Spannungen Gemeinschaft ermöglichte.

 

In seiner veganen Variante bleibt er, was er immer war: ein einfaches, zugängliches Gebäck – ideal zum Teilen und für gemeinsame Feste.

 

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Mo

02

Feb

2026

Schnibbelbohnensuppe – ein Löffel Bergisches Land

Im Bergischen Land wird ja gern gesagt: „Et hätt noch immer jot jejange.“ Und wer ehrlich ist, weiß genau: Das lag nicht nur am sprichwörtlichen bergischen Optimismus und Frohnatur, sondern auch an Gerichten wie der Schnibbelbohnensuppe. Kein feiner Import aus Schlössern und Burgen, kein hipper Großstadt-Trend – sondern ein echtes Arbeiterinnen-, Bäuerinnen- und Überlebensgericht. Entstanden in einer Region, in der der Boden steinig war, das Wetter launisch und der Geldbeutel meistens dünn.

 

Schnibbeln gegen den Winter 

 

Im Sommer, wenn die grünen Bohnen wuchsen, saßen die Familien abends zusammen und schnibbelten: Bohnen klein schneiden, salzen, stampfen, ab in den Steintopf traditionell in Milchsäure fermentiert. Das war keine Romantik – das war knallharte Vorratshaltung. So hatten Heimarbeiterinnen, kleine Bäuerinnen, Tagelöhnerinnen und später die Fabrikarbeiterinnen in den Tälern von Wupper, Strunde, Agger und Dhünn im Winter überhaupt noch Gemüse auf dem Tisch. Lange Tage in Hammerwerken, Textilfabriken, Papierfabriken oder an der Heimweberei – wenig Lohn, kaum Absicherung. Die Schnibbelbohnensuppe war genau das, was immer ging: sie machte richtig satt, sie war spottbillig, sie ließ sich endlos strecken, und sie wärmte nach einem harten Tag von innen.

 

Mit oder ohne Fleisch? Die ehrliche Antwort 

 

Heute wird gern so getan, als müsste Mettwurst oder Speck zwingend rein – historisch war das aber immer Luxus. Fleisch gab’s sonntags, an Feiertagen oder wenn mal Geld da war. Unter der Woche hieß es meist: ohne. Dann bestand die Suppe aus Bohnen, Kartoffeln, Lauch – und dem eisernen Willen, trotzdem durchzuhalten. Schon im 19. Jahrhundert taucht sie in regionalen Beschreibungen als „gewöhnliche Kost der arbeitenden Bevölkerung“ auf. In Hungerjahren nach dem Ersten Weltkrieg, in der Krise der 1920er und später in der Nachkriegszeit war sie ein treuer Begleiter. Gegessen wurde, was da war – und das war oft verdammt wenig.

 

„Hunger macht saure Bohnen süß.“ 

 

Kein großes Revolutionsmotto, kein Kampfruf – einfach die bittere, zähe Wahrheit der kleinen Leute: Wenn der Magen leer ist, schmeckt selbst das Saure plötzlich nach richtigem Leben. In vielen Regionen gehörten saure Bohnen, Sauerkraut und Gurken einfach zum Alltag – fester Bestandteil der Hausmannskost, ohne dass jemand „Proletarier*innen-Kult“ gerufen hätte. Praktisch, günstig, winterfest. Und genau dieses Sprichwort tauchte immer mal wieder auf: die kleine, ehrliche Erinnerung daran, dass Not erfinderisch macht – und sauer plötzlich süß werden kann.

 

Warum dieses Gericht heute wieder passt 

 

Die Schnibbelbohnensuppe erzählt von Solidarität ("Wir kochen für alle"), Sparsamkeit ohne Geiz, Selbstversorgung statt Abhängigkeit und Würde trotz Armut. Regional, saisonal, vegan-tauglich und in allen Varianten lecker. Kein Wunder, dass sie bis heute überlebt hat – und uns leise daran erinnert, dass das Einfache oft das Stärkste ist.

 

Erste Schritte: Die sauren Schnibbelbohnen – dein Start ins Bergische Glück

 

Im gut sortierten Supermarkt oder Bioladen findest du meist schon fertige „Saure Bohnen“ im Glas. Gute Nachricht: Milchsäure (E 270) ist in fast allen Fällen (ca. 99 %) vegan – trotz des irreführenden Namens hat sie null Komma nichts mit Kuhmilch zu tun. Sie entsteht durch Fermentation pflanzlicher Zuckerquellen wie Mais oder Zuckerrüben – und das ist deutlich günstiger als jede tierische Variante.

 

Deshalb sind fermentierte Klassiker wie Sauerkraut, saure Gurken oder viele vegane Käsealternativen in der Regel problemlos pflanzlich. Trotzdem: Wer auf Nummer sicher gehen will, schaut immer kurz aufs Etikett. Bei manchen traditionellen Produkten wird nämlich doch noch tierische Milchsäure oder nicht-veganer Essig eingesetzt – Ausnahmen bestätigen die Regel. 

 

Keine Lust auf Etiketten-Lotterie oder einfach Bock auf den echten Omas-Geschmack? Dann leg die Bohnen selbst ein – so wie früher. Du bestimmst die Gewürze, die Intensität und setzt deine ganz persönliche Note. Das macht das Gericht nicht nur leckerer, sondern auch ein bisschen stolzer für zu Hause.

 

Grüne Bohnen sauer einzulegen klappt auf zwei grundverschiedenen Wegen: Entweder du lässt die coolen Mikroben ran (fermentiert, probiotisch, Omas-wäre-stolz-Vibes) oder du nimmst den schnellen, sicheren Essig-Weg (sofort fertig, süß-sauer, Bohnensalat-Style).

 

Weg 1: Die hippen Milchsäure-Mikroben – fermentierte Schnibbelbohnen 100 % vegan, essigfrei, gesund, lange haltbar und voller guter Bakterien.

  1. Bohnen gründlich waschen, die nervigen Enden abknipsen und blanchieren (ca. 5 Minuten in sprudelnd kochendem Salzwasser). Das ist kein Wellness, das ist Gift-Entschärfung: Rohe Bohnen enthalten Phasin – das Zeug macht richtig krank. Danach sofort in Eiswasser abschrecken, abtropfen und abkühlen lassen.
  2. Schichten wie bei einem stylischen Nordic-Regal: Bohnen, Dillzweige, angedrückte Knoblauchzehen, Pfefferkörner, ein Stängel Bohnenkraut – alles abwechselnd in ein sauberes Einmachglas oder einen Gärtopf packen.
  3. Salzlake anrühren: 20–25 g grobes, unjodiertes Salz auf 1 Liter Wasser. Jodiertes Salz macht die Bakterien-Party kaputt.
  4. Lake drüber gießen, bis alles komplett bedeckt ist. Mit einem sauberen Stein, kleinem Teller oder Fermentations-Gewicht beschweren – keine Bohne darf oben rumschwimmen und Schimmel-Cosplay machen.
  5. Party-Phase: Glas offen (oder mit Tuch + Gummiband) bei Raumtemperatur 4–7 Tage gären lassen. Täglich reinschnuppern: Blubbern + guter saurer Geruch = alles richtig. Danach fest verschließen und kühl stellen (Keller oder Kühlschrank). Nach 3–4 Wochen sind sie perfekt säuerlich und ready.

Weg 2: Süß-saure Sofort-Befriedigung mit Essig vegan, superschnell, klassischer Bohnensalat-Geschmack.

  1. Bohnen putzen und blanchieren – diesmal 10–15 Minuten, je nach gewünschtem Biss. Sofort in Eiswasser abschrecken → knallgrün und knackig.
  2. Sud zaubern: Wasser + guter Weißweinessig (unbedingt vegan checken – manche enthalten tierische Gelatine!) + Salz + Zucker + Senfkörner + Lorbeer + Dill + was dir sonst noch einfällt. Kurz aufkochen, damit sich alles verbindet.
  3. Gläser heiß ausspülen (oder sterilisieren). Bohnen rein, ein paar Zwiebelringe dazwischenmogeln (macht optisch und geschmacklich Laune), heißen Sud bis obenhin drüber.
  4. Deckel fest drauf. Für maximale Haltbarkeit: 20–30 Min. bei 90 °C einkochen. Wer’s eilig hat: einfach abkühlen lassen – nach 2–3 Tagen sind sie schon top. Hält so oder so locker ein halbes Jahr.

Die goldenen Bohnen-Weisheiten – merken!

  • Rohe grüne Bohnen = Phasin-Party im Magen → immer blanchieren oder kochen, sonst wird’s übel.
  • Winzige Prise Natron ins Kochwasser → Bohnen bleiben Instagram-grün.
  • Bohnenkraut + Knoblauch + Dill = die heilige Dreifaltigkeit der sauren Bohne.
  • Fermentierte Bohnen rocken als Salat, aufs Brot oder zu Bratkartoffeln. Essig-Bohnen passen perfekt zu Grillgut, veganen Würstchen oder pur aus dem Glas, wenn mal wieder alles schiefgeht.

Das Rezept: Vegane Schnibbelbohnensuppe – bodenständig, ehrlich, bergisch (4 Portionen)

Zutaten

  • 500 g saure grüne Bohnen (traditionelle Schnibbelbohnen – aus dem Glas oder selbst fermentiert oder eingelegt)
  • 500 g Kartoffeln, gewürfelt
  • 1 große Zwiebel
  • 1 Stange Porree (Lauch)
  • 1 Möhre
  • 1–1,2 l Gemüsebrühe
  • 2 EL Öl (vegan) oder Butter (vegetarisch)
  • 1 TL Bohnenkraut (getrocknet oder frisch)
  • Salz, Pfeffer
  • optional: 1 Prise Zucker (zum Ausbalancieren der Säure)

Zubereitung

  1. Zwiebel, Möhre und Porree fein würfeln/schneiden.
  2. Öl (andere anderes) in einem großen Topf erhitzen, das Gemüse darin glasig dünsten.
  3. Die sauren Schnibbelbohnen dazugeben und kurz mitdünsten – der Duft wird schon bergisch!
  4. Mit Gemüsebrühe auffüllen, Bohnenkraut rein, alles aufkochen und bei milder Hitze ca. 25–30 Minuten köcheln lassen.
  5. Die Kartoffelwürfel hinzufügen und weitere 10–15 Minuten garen, bis alles weich, aber nicht matschig ist.
  6. Mit Salz, Pfeffer und ggf. einer winzigen Prise Zucker abschmecken – die Säure soll da sein, aber nicht beißen.

Fertig ist eine Suppe, die nicht protzt, sondern trägt. Am besten schmeckt sie mit kräftigem Graubrot, einem zweiten Teller und Menschen am Tisch, die wissen, woher sie kommt – und sich beim Quatschen gern in die Augen schauen.

 

Guten Appetit – und et hätt noch immer jot jejange!

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Fr

09

Jan

2026

Ein Biss durchs Bergische Land – von Linsen, Äädäppeln und herzhaften Geschichten

Wer durchs Bergische Land streift, der merkt schnell: Hier ist alles „e bessje grüner, hügeliger und gemütlicher“. Zwischen de Wälder, der Wupper, Agger und Sülz haben die Menschen früher oft gefragt: „Wat kütt hück op de Tisch?“ Fleisch? Das war damals nur etwas für die Reichen und bei uns einfachen Leuten eher selten. Aber langweilig wurde es nie! Stattdessen flogen Äädäppel (das sind Kartoffeln, falls jemand es nicht  wusste), Wurzelgemüse, Zwiebeln und Hülsenfrüchte in de Pott – Zutaten, die richtig satt machten, gesund waren und direkt „vor de Döör“ wuchsen.

Linsen, grüne Bohne, Erbsen oder weiße Bohne waren nicht nur bezahlbar, sondern och schlau: Voll mit Eiweiß, halten sie lange vor und lassen sich mit allem möglichen kombiniere. Dazu kamen die kleinen Helden: Majoran, Petersilie, Lorbeer – Kräuter, die dem ganzen Ding Wärme und Tiefe geben, ohne dass wir dafür in die Sonne nach Italien oder sonstwo hin müssen. So einfach, so bodenständig – so bergisch eben! Oder wie wir hier sagt: „Et es, wie et es – un dat es jot!“

Und manchmal sorgt selbst ein einfacher Eintopf für eine ganze Geschichte. So erzählen sie sich im Bergischen Land noch heute von Kurfürst Jan Wellem, der sich bei einer Jagd mal richtig verlaufen hatte. Nach stundenlangem Umherirren landete er bei einer einfachen Bäuerin, die ihm eine herzhafte Erbsensuppe mit Einlage hinstellte. Der Fürst, halb verhungert, hat das „wegjefuttert wie nix“! Zu Hause in Düsseldorf ließ er den Hofkoch dieses Gericht nachkochen – Fehlanzeige. Dann holte er sogar die Bäuerin an den Hof – immer noch nichts. Auf die Frage, warum die Suppe im Wald so viel besser geschmeckt hatte, sagte die Bäuerin trocken: „Hunger es de beste Koch.“

Die Anekdote, ist eine Sage aus dem 19. Jahrhundert, erfunden vom Heimatdichter Vinzenz Jakob von Zuccalmaglio (Montanus). Historisch nicht belegt, aber beliebt, weil sie die einfache, herzhafte bergische Küche perfekt beschreibt Sie bringt es auf den Punkt: Gute Küche braucht nicht hundert Zutaten, aber ein wenig Herz, Liebe und etwas Zeit – und am besten einen ordentlichen Appetit.

 

Genau so ein Gericht ist der „bergisch inspirierte“ Linseneintopf: deftig, rein pflanzlich, wärmend und so lecker, das es am nächsten Tag noch besser schmeckt. Wie wir sagen: „“

 

Bergischer Linseneintopf Rezept:
(rein pflanzlich):


Zutaten für 4 Bergische oder auch Düsseldorfer:

  • 250 g braune oder grüne Linsen 
  • 1 große Zwiebel
  • 2 Möhren
  • 1 kleines Stück Sellerie
  • 2–3 mehligkochende Kartoffeln
  • 1 Lorbeerblatt
  • 1 TL Majoran, Salz, Pfeffer
  • 1 EL Senf (optional, gibt etwas Pfiff)
  • Öl oder Margarine zum Anbraten

Zubereitung – einfacher geht es kaum:

  1. Zwiebel fein hacken und in einen Topf mit etwas Öl glasig dünsten – das duftet schon wie früher!
  2. Möhren, Sellerie und Kartoffel würfeln und kurz mit anschwitzen. Das Gemüse soll auch etwas abbekommen.
  3. Linsen, Lorbeerblatt und Majoran dazugeben, mit Wasser oder Gemüsebrühe bedecken.
  4. 30–40 Minuten bei niedriger Hitze vor sich hin köcheln lassen, bis alles weich ist. Zwischendurch mal umrühren, das nichts anbrennt.
  5. Mit Salz, Pfeffer und vielleicht einem Klecks Senf abschmecken. Lorbeerblatt rausnehmen.
  6. Nach Belieben leicht andrücken – dann wird es richtig sämig und cremig.

„Wat hück nich jut es, es morjen umso besser!“
Serviert wird der Eintopf klassisch mit rustikalem Brot – am besten dick bestrichen. Und wie es im Bergischen so schön heißt: „Opjewärmt schmeckt et morjen noch besser!“ Also macht gleich eine doppelte Portion, umd den Rest in den nächsten Tag zu essen. „Lat et eusch jot schmecken!“

 

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Di

23

Dez

2025

Bergischer Stuten für die Spätschicht

In vielen Familien im Bergischen arbeiteten die Männer in Papierfabriken, Metallbetrieben oder Ziegeleien. Auch an Heiligabend gab es oft Spätschichten. Weihnachten wartete nicht auf Feierabend. Eine überlieferte Geschichte erzählt von einer Arbeiterfamilie, in der der Vater an Heiligabend erst nach Mitternacht nach Hause kam. Gegessen wurde trotzdem nicht vorher. Auf dem Tisch stand nur eine Kanne Kaffee, Rübenkraut und ein noch unangeschnittener Stuten, in ein Tuch gewickelt

 

Die Kinder durften ihn sehen – aber nicht anfassen. Als der Vater endlich kam, müde, rußig, die Hände rissig von der Arbeit, schnitt nicht er, sondern die Mutter den Stuten an. Nicht aus Unterordnung – sondern weil sie ihn gebacken hatte und wusste, wie weit er reichen musste. Jede Scheibe war dünn. Aber jede war gleich groß. Der Vater bekam die erste – nicht die größte. Denn im Bergischen galt: Gerecht ist wichtiger als satt.

 

Viele dieser Familien hatten sonst das ganze Jahr kein süßes Brot. Der Stuten war das einzige Mal, dass Kinder Zucker schmeckten, ohne krank zu sein oder Geburtstag zu haben.

 

Armut, Würde und Brot

 

In Arbeiterhaushalten war der Weihnachtsstuten kein Genussmittel, sondern ein Zeichen von Würde. Er zeigte: Wir sind arm – aber wir feiern trotzdem.


Historisch belegt ist auch, dass Stuten mit Wasser statt Milch gebacken wurde, ohne Ei, oft mit sehr wenigen Rosinen. Nicht aus Überzeugung – sondern aus Not. Dass der Stuten trotzdem gebacken wurde, war ein Akt des Widerstands gegen das Elend. Kein politischer, aber ein menschlicher.

 

Warum das heute noch wichtig ist

 

Wenn heute jemand sagt: „Veganer Weihnachtsstuten – das ist doch modern“ dann wird übersehen: Der ursprüngliche Stuten der armen Leute war oft fast vegan, lange bevor das Wort existierte. Er war einfach, sparsam und gemeinschaftlich. Und genau darin liegt seine Geschichte.

Flotter veganer bergischer Weihnachtsstuten - Rezept


Zutaten:

  • 500 g Weizenmehl (Type 405 oder 550)
  • 250 ml Hafer- oder Sojamilch (lauwarm)
  • 1 Würfel Hefe (oder 1 Päckchen Trockenhefe)
  • 80 g Zucker
  • 80 g vegane Margarine oder veganer Butterersatz 
  • 1 Prise Salz
  • 1 TL Vanillezucker
  • 120 g Rosinen
  • optional: Zitronenschale, Zimt

Zubereitung:

  • Hefe in lauwarmer Pflanzenmilch mit 1 TL Zucker auflösen, 10 Min. stehen lassen.
  • Mehl, Zucker, Salz, Vanille mischen. Hefemilch und Margarine einkneten.
  • Rosinen unterarbeiten.
  • Abgedeckt 60–90 Min. gehen lassen.
  • Laib formen, 20 Min. ruhen lassen.
  • Mit Pflanzenmilch bestreichen.
  • Bei 180 °C Ober-/Unterhitze 35–40 Min. backen.

Servieren:

In dicken oder gerechten Scheiben, mit veganer Butter & Rübenkraut (aus dem Rheinland) – und am besten mit Zeit, Kaffee, Kakao, etwas Rum und einer guten Geschichte.

Fr

28

Nov

2025

Pitter & Jupp: Ein Eintopf, der klingt wie ’n Comedy-Duo – und schmeckt wie Bergisches Land ganz warm im Topf

Es gibt wunderbare Gerichte, die schreien einen quasi an, was drin ist. Kartoffelsuppe, Linseneintopf, Wirsing-Gedöns – ehrliche, transparente, durchschaubare Küche. Und dann gibt’s Pitter & Jupp. Ein Name wie eine Pointe. Wie zwei Kumpels, die zum Wochenende am Stammtisch sitzen, ihr Kölsch stemmen und erzählen, was im Dorf oder bei der Arbeit wieder schiefgelaufen ist. Wie ein Comedy-Duo, das am Freitagabend die örtliche Turnhalle zum Beben bringt. Wie zwei alte Hasen im Blaumann und weiße Männer, die sich seit Jahrzehnten kennen und trotzdem jeden Tag so tun, als würden sie sich zum ersten Mal aufziehen. 

 

Und genau so fühlt sich das regionale Gericht an: warmherzig, vertraut, bodenständig, rheinisch – ein Eintopf, der schon riecht wie früheres Zuhause. Wer im Bergischen Land groß geworden ist oder dort mal ein paar Jahre die Luft geschnuppert hat, weiß: Hier wird nicht lang gefragt, hier wird gemacht. Und so ist auch der Eintopf. Kein Schnickschnack, kein Chichi, Schickimicki, kein Teller, der aussieht wie ein Kunstwerk auf Diät und immer politisch korrekt (zumindest denken das alle für sich und wir lassen sie an dieser Stelle mal in diesem Glauben)

 

Nein & Ja: Pitter & Jupp ist bergisches Essen, das man mit beiden Händen anfasst. Essen, das dich anpustet, weil es immer zu heiß ist. Essen, das man mit dreckigen Fingern nach der Schicht genauso dankbar inhaliert wie an einem verregneten Sonntag auf dem Kanapee.

 

Und trotzdem bleibt die große Frage offen: Warum zum Geier heißt dieses Gericht nach zwei Männern – und nicht nach Kohl, Kartoffeln oder irgendwas Essbarem da drin? Tja. Genau da fangen die Geschichten an …, egal ob wahr oder einfach nur Volksmund und egal, ob es stimmt..

 

Version 1: Die Sache mit den Heiligen, die vermutlich oder meist keine Ahnung von Kochen hatten

Im Bergischen Land standen wie heute früher Petrus und Josef hoch im Kurs – Schutzpatrone für Arbeiter, Handwerker, Malocher.

  • Petrus: der Mann mit dem Schlüssel
  • Josef: der Mann mit dem Hammer
  • Beide: vermutlich null Interesse an Wirsing aus der Region

Aber irgendwer dachte wohl: „Wenn wir schon den ganzen Tag au die Arbeit kloppen, schleppen und malochen – dann wenigstens zum Essen ’nen Eintopf unter göttlicher Aufsicht.“ … als Belohnung für die viele Arbeit etwas verträumtes. Und so wurde aus Kohl, Kartoffeln und Karotten plötzlich „Pitter & Jupp“ – klingt wie: „Peter und Josef – powered by Gemüse mit Einlage.“

 

Version 2: Pitter, Jupp und der Döppen – eine Bergbau-Bromance

Stell dir die Frühschicht vor: müde, rußig, hungrig, ... oft kalt. Einer klappt seinen Henkelmann auf. Ein Dampfstoß. Wirsingduft. … lecker, warm … Ein Kollege brüllt quer durch die Bude: „Dat es widder dä Döppen vom Pitter un däm Jupp!“ Und weil im Bergischen Land alles, was einen zum Lachen bringt, quasi sofort zur Tradition wird, hieß der Eintopf ab da eben so. Historisch ist beides nicht belegt – aber wen interessiert das? Die Geschichten schmecken einfach zu gut, um sie nicht zu glauben oder das sich nur vorzustellen.

 

Das vegane Rezept für Pitter & Jupp 

(Ja, selbst Pitter würde heute sagen: „Mach et vegan, Jupp!“)

 

Zutaten für 4 Portionen:

  • 1 kleiner Wirsing
  • 500 g Karotten
  • 500 g Kartoffeln
  • 2 Zwiebeln
  • 1 Bund Grünkohl oder andere Greens
  • 1 Bund Petersilie
  • 0,8 l Gemüsebrühe
  • 2 EL Rapsöl oder vegane Butter
  • Salz, Pfeffer, Muskat
  • Optional: Räuchertofu oder Wurstersatz (für etwas mehr „Bizeps“ im Topf)


Zubereitung:

  1. Wirsing waschen und in Streifen schneiden ( wirkt fast so meditativ wie Schichtwechsel nach Feierabend ).
  2. Karotten und Kartoffeln würfeln.
  3. Zwiebeln hacken und in Öl glasig dünsten (nicht anbrennen – Pitter guckt zu!)
  4. Gemüse dazugeben und kurz andünsten.
  5. Brühe aufgießen, 20–30 Minuten köcheln.
  6. Greens in den letzten 5 Minuten dazu.
  7. Grob zerstampfen – nicht pürieren! Kein Babybrei.  .. eben nach Geschmack
  8. Mit Salz, Pfeffer, Muskat abschmecken.
  9. Optional: Tofu anbraten und unterheben.
  10. Petersilie drauf – fertig.

Schmeckt am besten mit kräftigem Brot, am liebsten so rustikal, dass man damit theoretisch auch Nägel in die Wand hauen könnte.  

Warum "Pitter & Jupp" Kultstatus verdient? Weil es:

  • einfach zu kochen ist, ...
  • bodenständig wie ein Blaumann,
  • dich wärmt, selbst wenn die Heizung streikt, ... schon im Herzen
  • und den einzigen Eintopf-Namen trägt, der klingt wie:
  • ein Comedy-Act,
  • ein Krimi-Duo („Pitter & Jupp – Ermittlungen im Wirsingfall Kippekausen“),
  • eine Altstadt-Kneipe in der Stadtmitte,
  • oder die beiden alten Onkel, die beim Familienfest von oben herab kommentieren:

„Früher war alles besser – abba dä Eintopf, dä wor derselbe.“

 

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Sa

15

Nov

2025

Rievkooche met Appelmuss – Bergisch, locker un lecker - vegan

Wer heut’ im Bergischen Land "Rievkooche" esst, der esst nit nur – der riecht, lacht un lebt met. Knusprig, warm un mit Appelmuss – so wie’s seit Omas un Opas Tied an Feste un Märkte dazugehört. ... gerade in kalten Zeiten.

 

Basics: Knusprig, heiß un mit ’nem kleen Extra

Kartoffeln fein raspeln, Zwiebeln dazu, alles mit Mehl un e paar Haferflocken (statt Eier) binden. Für die extra Lockerheit noch e kleenen Schuss vegane Milch oder e Hauch Backpulver in den Teig geben – dann wern die "Rievkooche" schön fluffig. Salz, Pfeffer un Muskat net vergessen! Ab dann ab in reichlich heißes Öl.

 

Dazu gehört natürlich Appelmuss – frisch, süß-säuerlich un warm, am bestn mit e Spritzer Zitrone. Un jetz kommt der beste Teil: das Schmunzeln beim Braten. Öl spritzt, Kinner lachen, Omas und Opas Finger werden schon klebrig, un der Duft macht die ganze Küche zum Festplatz mit Kerzenlicht.

 

Dat Bergische Rievkooche-Wunder – Herr Schmitz

Herr Schmitz, e alter Kauz, kriegt die letzten drei "Rievkooche" im Gasthaus „Zur Post“. Der ganze Speisesaal und die Schänke schnupperten schon nach frisch gebratenem Teig, und ein junger, hungriger Kölner stürmt herein. Die Wirtin ruft: „Nix mehr da! Alles weg!“ Herr Schmitz kratzt sich am Kopp, grinst verschmitzt un sagt: „Kumm Jung, im Bergischen teilt mer, wenn’s warm un kubblig es.“ Er schneidet die drei Rievkooche in sechs Stücke – und die Kinder am Nebentisch glotzen wie gebannt. Seitdem nennt man dat im Dorf das „Bergische Rievkooche-Wunder“. Ob et Wunder, Hunger, wahr oder einfach die pure Freude am Teilen war? Egal, Hauptsach, et schmeckte!

 

Der echte Reibekuchentag am Balkhauser Kotten

Am Balkhauser Kotten zum Ferienende: der ganze Hang duftet nach frisch gebratenen Rievkooche. Familien sitzen wartend auf Bänken, Kinner rennen über’n Hof, Omas Taschen voller Appelmuss – und jeder weiß: „Wenn’s am Kotten "Rievkooche" gibt, dann sind die Ferien vorbei.“ Alle teilen die Teller, lachen über kleene Spritzer Öl, und spätestens beim zweiten Bissen wird bemerkt: "Rievkooche" sind hier e Fest, e kleines Sommerwunder, un kein schnödes Essen im Winter. Der Bauer von nebenan nickt zufrieden, der Hund kriegt e Stück ab, un die Sonne scheint fast noch ein bisschen heller über’m Bergischen Land.

 

Die Rievkooche-Queen – Doris

Doris, die Rievkooche-Queen, steht seit Jahrzehnten met ihrem Wagen auf Märkten. Die Pfannen brutzeln, das Öl zischt, un die Leut schwärmen: „Bei der Doris schmeckt der erste Rievkooche wie der zehnte.“ Manche sagen sogar, sie hätten bei ihr den allerersten Rievkooche ihres Lebens gegessen – und danach nie wieder einen anderen akzeptiert. Zwischen lachenden Kinnern, Omas mit klebrigen Fingern und dem Duft von Zucker un Zimt, merkt man: Doris is nicht einfach e Marktfrau, sie is e lebende Institution, so bergisch wie Regen, Fachwerk un grüne Hügel.

 

Dat Rezept – Bergisch, vegane Variante un locker
Zutaten

1,5 kg Kartoffeln

2 kleine Zwiebeln

2–3 EL Mehl

1–2 EL Haferflocken oder Speisestärke

1 Schuss vegane Milch (1–2 EL pro 1 kg Kartoffeln) oder ½ TL Backpulver

Salz, Pfeffer, Muskat

Viel Rapsöl


Für’s Appelmuss (wers selbst machen will):

1 kg Äpfel

100 ml Wasser

1–2 EL Zucker

½ TL Zimt (optional)

Spritzer Zitronensaft

 

Zubereitung

Äpfel weich kochen, stampfen, abkühlen lassen.


Kartoffeln raspeln, Flüssigkeit ausdrücken, mit Zwiebeln, Mehl, Haferflocken, Gewürzen un kleenem Schuss Milch (1-2 EL pro 1 Kg Kartoffeln) oder Backpulver mischen.

In reichlich heißem Öl goldbraun braten – uffpassen, dat spritzt!

Auf Küchenpapier abtropfen lassen.

 

Warm servieren – am bestn zu dritt oder mehr: "Rievkooche", Appelmuss, Lachen un Geschichten dazu.

 

Warum dat Gericht für uns so besonders es

"Rievkooche" im Bergischen Land sind mehr als Nahrung: Sie verbinden Menschen. Sie bringen Marktbuden zum Duften. Sie sind e Stück Heimat, e Lächeln un e bisschen Magie – un manchmal sogar e kleenes Wunder.

Mit dem kleinen Schuss Milch oder Backpulver wern se extra locker – fast so, als flögen se direkt vom Himmel auf den Teller. Natürlich kann der Apfelmuss auch schon fertig gelauft werden und eine Scheibe schwarzes Vollkornbrot passt auch immer dazu. Manche essen auch gerne Marmelade oder andere und deftige Toppings dazu. ... wie es gerade passt ... 

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So

09

Nov

2025

Soljanka für alle – eine Suppe mit klimafreundlichen regionalen Charakter

Es gibt Gerichte, die sind mehr als bloß Essen. Sie sind Idee, Erinnerung und Klassenbewusstsein in einem Topf. Die Soljanka gehört dazu. Ursprünglich stammt sie aus Russland – also quasi aus dem Herzen der Weltrevolution. Doch bevor die Revolution den Zar vom Thron jagte, hatte ein namenloser Moskauer Gastwirt schon etwas geschafft, was vielen Sozialisten erst später gelang: Er vereinte die Reste aller Klassen in einem einzigen, köstlichen Sud.

Die Geschichte geht so: Nach einem Festmahl lagen auf dem Tisch Reste von Fisch, Fleisch, Kohl, Gurken, ein bisschen Tomate, etwas Brühe. Der Wirt, wahrscheinlich der erste kulinarische Kommunist, dachte sich: „Von allem etwas, nichts darf verschwendet werden!“ Er warf alles in den Topf, rührte um – und siehe da: die Soljanka war geboren.

 

Eine Suppe für alle – von der Zarentafel bis zur Arbeiterküche.

 

Auch in den jüdischen Shtetls Osteuropas war die Soljanka beliebt – allerdings ohne Schwein und mit viel Herz. Eine Anekdote erzählt: Am Sabbatabend stand die Rebbetzin in Minsk vor leeren Töpfen. Nur ein paar Gurken, Kohl und Tomaten waren übrig. Sie kochte daraus eine Suppe, der Rabbiner kam heim, kostete und sprach: „Wenn das Armut ist, dann schmeckt sie nach Segen.“

 

Ein Satz, den Karl Marx vermutlich unterschrieben hätte – wenn auch mit mehr Pfeffer.

Denn die Soljanka lehrt, was jede gute Gesellschaft wissen sollte: Mit Solidarität, Kreativität und ein paar Gurken kann man selbst aus Mangel eine Mahlzeit für alle machen.

 

🏞️ Die bergische Aneignung – von der Werkskantine zur Planpfanne

 

Und irgendwann landete die Soljanka im Bergischen Land. Vielleicht kam sie mit einem Eisenbahner aus Leipzig, vielleicht mit einer Krankenschwester aus Rostock, die im Krankenhaus Bensberg Dienst tat. Jedenfalls stand sie plötzlich da – zwischen Panhas und Rievkooche, leicht irritiert, aber von allen willkommen.

 

Eine ältere Dame aus Wermelskirchen erzählte einmal auf dem Wochenmarkt: „Ich hab’ Soljanka gekocht wie früher, aber ohne Fleisch. Statt Speck kam Räuchertofu rein, und statt Zucker ein Löffel Apfelkraut. Mein Mann hat’s gegessen und gesagt: ‚Schmeckt wie Sozialismus – bisschen sauer, aber macht satt.‘“

 

Seitdem ist die „Soljanka op bergisch“ so etwas wie der volkstümliche Beweis dafür, dass der dialektische Materialismus auch in der Küche funktioniert: Altes trifft Neues, Ost trifft West, und am Ende ist alles gut durchgerührt.

 

🥕 Das Rezept für eine solidarische Suppe vegan

 

Zutaten für 4 hungrige Kolleg:innen:

  • 3 Zwiebeln
  • 2 rote Paprika (oder das, was es gerade gibt)
  • 3 Gewürzgurken + ein Schuss Gurkenwasser
  • 2 Möhren, 150 g Kohl, 200 g Kartoffeln
  • 1–2 Pastinaken (für die bodenständige bergische Note)
  • 1 Dose Tomaten oder 4 frische, wenn vorhanden
  • 200 g Räuchertofu oder – für echte Regionalpatriot:innen – Lupinenstücke aus bergischer Landwirtschaft
  • 1 EL Rapsöl, 1 TL Senf, 1 TL Paprikapukver, 1 Lorbeerblatt
  • Salz, Pfeffer und nach Geschmack mit Gewürzen abschmecken.
  • Apfelessig,
  • ein Löffel Apfelkraut für die bergische Seele
  • Optional: Eine gute vegane Gemüsebrühe, wenn es schneller gehen soll

Zubereitung:

  1. Zwiebeln, Knoblauch und Tofu oder Lupinenstücke in Öl anbraten – die Basis jeder Revolution.
  2. Gemüse, inklusive Pastinaken, dazugeben und kurz schmoren – das solidarische „Gemeinsam“ erwärmt sich.
  3. Tomaten, Gurkenwasser und Brühe aufgießen – der große Schmelztiegel der Geschmäcker.
  4. Tipp: Für eine schnelle Version einfach eine gute vegane Gemüsebrühe verwenden.
  5. 25 Minuten köcheln lassen – Geduld ist die Tugend der Bewegung.
  6. Mit Essig und Apfelkraut abschmecken – für den dialektischen Ausgleich zwischen sauer und süß.

Serviert wird die Suppe mit frischer Krautern, Koriander oder Petersille, gutem Vollkorn-Landbrot und einem freundlichen: „Na, Kolleg:innen, noch ’ne Kelle?“

 

🌍 Moral der Geschichte

Die Soljanka ist mehr als ein Rezept – sie ist ein Manifest in Suppenform:

  • gegen Verschwendung,
  • für Solidarität,
  • und für die Erkenntnis, dass man gemeinsam mehr zusammenbekommt als allein.

Ob in Moskau, Minsk oder Much und Bergisch Gladbach – wer Soljanka kocht, verbindet Geschichte, Genuss und Gleichheit. Sie ist die Suppe des Volkes – rot, kräftig und solidarisch gewürzt.

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Sa

01

Nov

2025

Argentinische "Pizza del Pueblo unido“ - veganes Rezept

Pizza Internacional – Ich liebe Pizza und ganz besonders argentinische Pizza – dick, käsig und voller Geschmack.

Es gibt zwei Konstanten in meinem Leben: den Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit – und die ewige Sehnsucht nach Pizza. Und ehrlich gesagt: Beide gehören irgendwie immer auch zusammen. Denn wenn die Welt gerechter wäre, hätte jede:r jederzeit Zugang zu einer guten, heißen, knusprigen und saftigen Pizza – so oft und so viel, wie da ist.

 

Ich kann Pizza zu jeder Tageszeit essen. Frühstück? Pizza. Mittag? Pizza. Mitternacht? Selbstverständlich. Ich bin da kompromisslos – ob am Schreibtisch, auf der Demo, im Zug oder auf einer Parteiversammlung. Eine Pizza ist wie eine internationale Solidaritätsaktion: Sie funktioniert überall pluralistisch, sie verbindet Menschen – und sie macht glücklich. Und sie kann je nach Belag auch die Farbe und Weltanschauung wechseln.

 

Aber jetzt kommt der Punkt, an dem Italien kurz die Augenbrauen hebt: Die beste Pizza der Welt gibt’s nämlich nicht in Neapel – sondern in Buenos Aires! Aber das ist natürlich rein subjektiv und wir alle finden dazu unsere eigene "Wahrheit2.
 

Richtig gelesen? Argentinien hat die höchste Dichte an Pizzerien weltweit. Das liegt daran, dass Millionen Migrant:innen im 19. und 20. Jahrhundert ihr Rezeptbuch mit über den Atlantik genommen haben – und dort eine eigene, stolze Pizzakultur geschaffen haben, dabei ihre Rezepte mit den vielen Menschen, die aus der ganzen Welt nach Argentinien gekommen waren, vermischt und verbessert haben.

 

Und diese Pizza ist … anders und vielfältig. Dick, saftig, fast wie ein weiches Brot, oft mit einer unverschämten Menge Käse. Sie heißt Fugazzetta rellena oder Pizza a la piedra, manchmal auch einfach „eine Scheibe Glück mit Oregano“.

Argentinische Pizza-Genossenschaften

In Buenos Aires haben während der 1920er-Jahre die Arbeiter:innen in ihren Genossenschaften nicht nur Brot, sondern auch Pizza gemeinsam backten und an die Kolleg:innen verteil? Jede:r brachte eine Zutat mit, und nach getaner Arbeit wurde alles geteilt. Manche sagen, genau hier entstand die Idee der Pizza del Pueblo Unido: nicht für den Profit, sondern für die Gemeinschaft. 

 

Argentinische „Pizza del Pueblo unido“ – Veganes Rezept

 

Zutaten (für 2 hungrige vegane Revolutionär:innen):

Teig:

• 500 g Weizenmehl

• 150 g Kartoffel, roh

• 1 TL Salz

• 1 TL Zucker

• 1 Päckchen Trockenhefe

• 300 ml lauwarmes Wasser

• 2 EL Olivenöl

 

Belag (argentinisch inspiriert & veganisiert):

• 2 große Zwiebeln, fein gehackt (Fugazza-Style!)

• 1 gelbe Paprika, gewürfelt

• 1 kleine Süßkartoffel, dünn geschnitten (südamerikanischer Touch)

• 150 g veganer Mozzarella oder Cashewkäse

• 2 EL Olivenöl

• 1 TL Oregano

• ½ TL Paprikapulver oder Ají molido (argentinische Gewürzmischung geräuchert) – (für den Pampas-Wind), je nach Geschmack 

• Optional: ein paar schwarze Oliven, frische bunte Paprikastreifen, Zucchini und Chimichurri als Dip .. und natürlich alles, was gemacht wird. 


Beim Belag gilt wie immer bei Pizza - nach Geschmack und Vorliebe ...

Zubereitung:

Mehl, Salz, Zucker und Hefe mischen. Wasser und Öl hinzufügen. Die Kartoffel ganz fein, fast flüssig, reiben. Alles zusammen zu einem glatten Teig kneten. 1 Stunde gehen lassen – oder so lange, wie es dauert, um mit den Genoss:innen den nächsten Pizzaabend zu planen.

 

  • Ofen auf 220 °C vorheizen.
  • Teig ausrollen (nicht zu dünn!) und auf ein Blech legen.
  • Zwiebeln und Paprika in Olivenöl anbraten, mit Oregano und Paprikapulver oder Ají molido würzen.
  • Teig mit der Zwiebel-Paprika-Mischung, Süßkartoffelscheiben und veganem Käse belegen.
  • 15–20 Minuten backen, bis die Ränder knusprig sind und der Käse revolutionär zerläuft.
  • Mit Chimichurri servieren und stolz verkünden:
    ¡La pizza será del pueblo unido o no será!

Und jetzt mal ehrlich, Pizza – woher kommst du eigentlich?

iranian-style
iranian-style

In Italien Anfang des 20. Jahrhunderts waren Pizzerien oft Treffpunkte für Arbeiter:innen, Gewerkschafter:innen und politische Aktivist:innen. So wurden auch nach langen Schichten kleine Treffen organisiert, bei denen Pizza geteilt wurde – nicht nur zum Essen, sondern auch, um über Streiks, Genossenschaftsgründungen und soziale Reformen zu diskutieren. Die Pizza wurde so zu einem Symbol der Solidarität: Sie nährte Körper und Gemeinschaft. Viele Arbeiter:innen sagten damals: „Eine Pizza für jeden – und jeder Teig wird gemeinsam gemacht.“


In Teheran (Iran) wurden in den 1970er-Jahren Pizzarläden nicht nur als Orte für westliches Essen bekannt, sondern auch zu Treffpunkten für linke Studierende, Künstler:innen und politische Aktivist:innen. Nach langen Diskussionen über soziale Gerechtigkeit, Arbeiterrechte und Frauenrechte teilten die Gruppen ihre Pizzen – oft selbstgebacken oder aus kleinen Familienbetrieben – untereinander, um Solidarität zu zeigen. Die einfache, teilbare Natur der Pizza passte perfekt zum Geist der Bewegung der Revolution: Nahrung als Mittel der Gemeinschaft, Diskussion und des kollektiven Handelns.

Kommt die Pizza also aus Neapel? Buenos Aires? New York? Teheran (Makhsoos oder Makhloot)? Tel Avi (Matzah Pizza)? Istanbul (Pide oder Lahmacun)? Damaskus (Manakish!)? Phnom Penh mit Cannabis versetzte Zutaten? ... 

  

Vielleicht ist das der wahre Ursprung der Pizza: nicht eine nationale Geschichte, sondern eine internationale Bewegung aus Notwendigkeit, Kreativität, Solidarität und Gemeinschaft.

 

Pizza ist gelebter Internationalismus:

  • grenzenlos teilbar,
  • in jeder Kultur angepasst vorhanden,
  • und nie elitär.

Also ja – es ist eigentlich völlig egal, woher Pizza kommt. Wichtiger ist, dass sie bleibt, was sie immer war: ein Symbol dafür, dass die Welt schöner ist, wenn man teilt. 🍕✊🌍

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Mi

22

Okt

2025

Bergische Potthucke – deftig, geduldig & mit Herz

Veganes Rezept aus der traditionellen bergischen Küche

Die Potthucke ist ein klassisches Gericht aus dem Bergischen Land – einfach, deftig und voller Geschichte.
Ihr Name bedeutet wörtlich: „Das, was im Pott hockt“ – und genau das tut sie: gemütlich im Ofen sitzen und langsam goldbraun werden.


Früher war die Potthucke das Essen der einfachen Leute – pardon, der einfachen Leut’ innen und außen –, die aus wenigen Zutaten, vor allem Kartoffeln, etwas richtig Herzhaftes zauberten. Wenn abends noch ein Rest Teig übrig war, wurde der kurzerhand in eine Form („Pott“) gegeben, in den Ofen geschoben und durfte dort ganz in Ruhe „hocken“, bis er schön knusprig war.

Es wird sich im Bergischen erzählt, dass die Potthucke früher ein echter Geduldstest war – nicht nur für den Ofen, sondern auch für die Menschen am Herd. Wenn die Hausfrau (oder der Hausmann) den Kartoffelteig in den Ofen schob, hieß es: Warten. Und zwar lange. Sehr lange. Da klang es durchs Tal: „Wat im Pott hockt, dat hockt!“

Dieser Spruch wurde schnell zum geflügelten Wort im Bergischen – für alles, was Zeit braucht, um gut zu werden. Ob ein Essen, ein Mensch oder eine gute Idee – Hauptsache, sie dürfen in Ruhe „hocken“.


In manchen Dörfern wusste man übrigens genau: Wenn’s bei Familie Müller im Ofen nach Potthucke roch, dann gab’s bald Besuch. Denn der Duft zog durchs Fenster, die Nachbarschaft kam vorbei, setzte sich in die warme Küche, trank einen Kaffee (oder lieber gleich einen Korn) – und wartete gemeinsam darauf, dass die Potthucke endlich „ferdisch“ war.


So wurde aus einem simplen Kartoffelgericht ein Symbol für bergische Geselligkeit, Geduld und Gemütlichkeit. Und wer einmal diese Mischung aus knuspriger Kruste, weicher Mitte und dem Duft von Zwiebeln und Muskat gerochen hat, weiß: Geduld lohnt sich.


Ursprünglich war die Potthucke übrigens ein Resteessen – bodenständig, solidarisch und ohne Firlefanz. Man teilte, was da war, und machte aus Bescheidenheit etwas Besonderes. Serviert wurde sie mit Apfelmus, Sahne, Butter oder, je nach Hoflage, auch mal mit Wurst und Speck – oder eben mit dem, was der Keller so hergab.


Heute gibt’s das Ganze auch als veganes Rezept – genauso bergisch, nur tierfreundlich. Diese moderne Variante bewahrt den herzhaften Charakter der Original-Potthucke, bringt aber frischen Schwung auf den Tisch: regional, pflanzlich und mit ordentlich Liebe im Pott. Und wer mag, legt sich eine vegane „Fleischalternative“ dazu – Hauptsache, es bleibt gemütlich und schmeckt nach Zuhause.

Zutaten (vegane Variante)

(für eine Kastenform von ca. 25 cm Länge)

  • 1 kg vorwiegend festkochende Kartoffeln, am besten aus der Region

  • 2–3 Zwiebeln, fein gewürfelt

  • 2 EL Pflanzenöl (z. B. Sonnenblumenöl)

  • 200 ml Hafer- oder Sojasahne

  • 2–3 EL Kichererbsenmehl oder Kartoffelstärke (als Bindemittel)

  • 1 TL Salz

  • ½ TL Pfeffer

  • ½ TL Muskatnuss, frisch gerieben

  • 1 TL Majoran oder Thymian (optional)

  • 1 Apfel, grob geraspelt (für eine fruchtige Note)

Zubereitung

  1. Vorbereitung: Kartoffeln schälen, kochen (ca. 20–25 Minuten), abgießen und etwas ausdampfen lassen.

  2. Zwiebeln anbraten: In Öl glasig dünsten. Optional den Apfel kurz mit anbraten.

  3. Kartoffeln stampfen: Zu feinem Brei zerdrücken.

  4. Mischung herstellen: Hafer- oder Sojasahne, Kichererbsenmehl, Salz, Pfeffer, Muskat, Majoran und Zwiebeln hinzufügen. Alles gut verrühren.

  5. Backform vorbereiten: Mit Öl einfetten oder Backpapier auslegen.

  6. Füllen: Die Masse hineingeben, glattstreichen und leicht andrücken.

  7. Backen: Bei 180 °C (Ober-/Unterhitze) etwa 60–70 Minuten backen, bis die Oberfläche goldbraun ist.

  8. Abkühlen lassen: Vor dem Stürzen kurz ruhen lassen.

Serviervorschlag (vegan)

 

Traditionell mit Apfelmus, Rübenkraut oder einem knackigen Salat.
Tipp: Am nächsten Tag in Scheiben schneiden und in der Pfanne anbraten – so wird’s noch aromatischer.

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