Es gibt Gerichte, die sind mehr als bloß Essen. Sie sind Idee, Erinnerung und Klassenbewusstsein in einem Topf. Die Soljanka gehört dazu. Ursprünglich stammt sie aus Russland – also quasi aus dem Herzen der Weltrevolution. Doch bevor die Revolution den Zar vom Thron jagte, hatte ein namenloser Moskauer Gastwirt schon etwas geschafft, was vielen Sozialisten erst später gelang: Er vereinte die Reste aller Klassen in einem einzigen, köstlichen Sud.
Die Geschichte geht so: Nach einem Festmahl lagen auf dem Tisch Reste von Fisch, Fleisch, Kohl, Gurken, ein bisschen Tomate, etwas Brühe. Der Wirt, wahrscheinlich der erste kulinarische Kommunist, dachte sich: „Von allem etwas, nichts darf verschwendet werden!“ Er warf alles in den Topf, rührte um – und siehe da: die Soljanka war geboren.
Eine Suppe für alle – von der Zarentafel bis zur Arbeiterküche.
Auch in den jüdischen Shtetls Osteuropas war die Soljanka beliebt – allerdings ohne Schwein und mit viel Herz. Eine Anekdote erzählt: Am Sabbatabend stand die Rebbetzin in Minsk vor leeren Töpfen. Nur ein paar Gurken, Kohl und Tomaten waren übrig. Sie kochte daraus eine Suppe, der Rabbiner kam heim, kostete und sprach: „Wenn das Armut ist, dann schmeckt sie nach Segen.“
Ein Satz, den Karl Marx vermutlich unterschrieben hätte – wenn auch mit mehr Pfeffer.
Denn die Soljanka lehrt, was jede gute Gesellschaft wissen sollte: Mit Solidarität, Kreativität und ein paar Gurken kann man selbst aus Mangel eine Mahlzeit für alle machen.
🏞️ Die bergische Aneignung – von der Werkskantine zur Planpfanne
Und irgendwann landete die Soljanka im Bergischen Land. Vielleicht kam sie mit einem Eisenbahner aus Leipzig, vielleicht mit einer Krankenschwester aus Rostock, die im Krankenhaus Bensberg Dienst tat. Jedenfalls stand sie plötzlich da – zwischen Panhas und Rievkooche, leicht irritiert, aber von allen willkommen.
Eine ältere Dame aus Wermelskirchen erzählte einmal auf dem Wochenmarkt: „Ich hab’ Soljanka gekocht wie früher, aber ohne Fleisch. Statt Speck kam Räuchertofu rein, und statt Zucker ein Löffel Apfelkraut. Mein Mann hat’s gegessen und gesagt: ‚Schmeckt wie Sozialismus – bisschen sauer, aber macht satt.‘“
Seitdem ist die „Soljanka op bergisch“ so etwas wie der volkstümliche Beweis dafür, dass der dialektische Materialismus auch in der Küche funktioniert: Altes trifft Neues, Ost trifft West, und am Ende ist alles gut durchgerührt.
🥕 Das Rezept für eine solidarische Suppe vegan
Zutaten für 4 hungrige Kolleg:innen:
Zubereitung:
Serviert wird die Suppe mit frischer Krautern, Koriander oder Petersille, gutem Vollkorn-Landbrot und einem freundlichen: „Na, Kolleg:innen, noch ’ne Kelle?“
🌍 Moral der Geschichte
Die Soljanka ist mehr als ein Rezept – sie ist ein Manifest in Suppenform:
Ob in Moskau, Minsk oder Much und Bergisch Gladbach – wer Soljanka kocht, verbindet Geschichte, Genuss und Gleichheit. Sie ist die Suppe des Volkes – rot, kräftig und solidarisch gewürzt.
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