Bergisch Gladbach besitzt einen ganz besonderen Schatz: eine 14-karätige Bürgermeisterkette im Wert von rund 60.000 Euro, die der Stadt im Jahr 2000 vom Verschönerungsverein Bergisch Gladbach geschenkt wurde. Ein Symbol für Tradition, bürgerschaftliches Engagement und die Würde des Amtes. Dieser lagert im Tresor und wir nur zu ganz besonderen Events herausgeholt. Zuletzt zum Treffen von Kanzler Merz und Präsident Macron im Schloss Bensberg.
Doch angesichts leerer Kassen stellt sich irgendwann eine ganz praktische Frage: Was passiert, wenn eine Stadt ihre Pflichtaufgaben kaum noch erfüllen kann? Auch in privaten Haushalten wird dann darüber nachgedacht, was verkauft oder verpfändet werden kann. Vielleicht sitzt dann eines Tages der Kämmerer vor dem besagte Tresor und sagt: „Wir haben leider keine Millionen mehr. Aber wir hätten da noch diese Kette.“ Und plötzlich wird aus dem Symbol der kommunalen Würde ein letzter Rettungsanker: „Bürgermeisterkette gegen Kindergartendach – Pfandkredit statt Zukunftsinvestition.“
Eine groteske Vorstellung – aber vielleicht genau deshalb ein treffendes Bild für eine Politik, die seit Jahren darüber diskutiert, wie gekürzt werden kann, statt darüber, wie Kommunen endlich wieder finanziell handlungsfähig werden. Genau das erleben wir ja auch in Stadtrat Bergisch Gladbach.
Die CDU könnte dann erklären: „Wir müssen leider Prioritäten setzen. Die Stadt kann sich nicht alles leisten. Aber immerhin bleibt uns die Tradition.“ Währenddessen könnte aus der grünen Ecke der
wirtschaftsliberale Blick auf die Sache kommen: „Wir müssen jetzt marktkonforme Lösungen prüfen. Vielleicht ist die Verpfändung der Kette ein innovativer Beitrag zur kommunalen
Vermögensoptimierung. Schließlich müssen auch Städte lernen, effizienter mit ihren Assets umzugehen."
Die Kette als Beitrag um eine Haushaltssicherungskonzept zu verhindern?
Vielleicht gäbe es sogar eine Expertenkommission, die prüft, ob die Goldkette als „temporär mobilisiertes Sachvermögen“ in eine nachhaltige Finanzstrategie integriert werden könnte. Die Sprache
wäre modern, professionell und voller Managementbegriffe – nur die Realität bliebe dieselbe: Eine Kommune verkauft oder verpfändet ihr Tafelsilber, weil sie ihre grundlegenden Aufgaben nicht mehr
ausreichend finanzieren kann.
Und die rechte AfD? Sie würde vermutlich sofort den großen und rechtsextremen Empörungsschalter umlegen, Schuldige suchen und die nächste Spaltung produzieren. Die Kette wäre dann vielleicht weg – aber kein einziges Problem gelöst.
Vielleicht wäre die ehrlichste Alternative tatsächlich die berühmte Gummibärchen-Bürgermeisterkette: Billig, bunt und jederzeit verfügbar und im Zweifel sogar essbar. Denn eine Stadt sollte nicht irgendwann vor der Frage stehen: „Was verkaufen wir als Nächstes – die Goldkette oder unsere Zukunft?“
Eine Bürgermeisterkette ist ein Symbol. Aber eine funktionierende Kita, eine sanierte Schule und eine soziale Infrastruktur sind der eigentliche Reichtum einer Stadt.
Zur Hilfestellung: Goldpreis aktuell in Euro – Goldkurs
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