Auf den ersten Blick scheinen das zwei völlig verschiedene Dinge zu sein: Das eine ist böse Absicht, das andere einfach nur dumm.
Und doch begegnen wir im Alltag ständig Menschen, bei denen beides zusammenkommt – oft eng verschränkt, deutlich sichtbar und ganz unverhohlen.
Das liegt nicht daran, dass Dummheit automatisch böse macht. Es liegt daran, dass Nicht-Nachdenken, kein Bock auf andere Perspektiven, Dogmatismus, Narzissmus und sich total sicher fühlen ohne Grund ein verdammt gutes Nährboden für Gemeinheit ist. Oft kommt noch die pure Lust an der Macht oder ein pathologischer Kontrollzwang über andere Menschen dazu.
Wer nicht nachdenkt, fragt nicht. Wer nicht fragt, findet das, was er gerade tut, irgendwie immer okay: „Die haben’s ja selbst provoziert.“ „Ohne harte Hand geht’s nicht.“ „Man kann nicht jeden retten.“ Solche Sätze klingen für den, der sie sagt, völlig logisch.
Hannah Arendt hat das mit der „Banalität des Bösen“ auf den Punkt gebracht: Die schlimmsten Dinge passieren oft nicht, weil da ein Monster am Werk ist, sondern weil jemand einfach nicht richtig hingeschaut hat, nicht nachgedacht hat, was seine Unterschrift, sein Stempel, sein „Weiterleiten“ eigentlich anrichtet.
Dummheit ist hier keine fehlende Schulnote – es ist die Weigerung, sich vorzustellen, wie es sich für die anderen anfühlt, fehlende Empathie, pure Rücksichtslosigkeit, um den eigenen Willen von oben herab durchzusetzen. Wer die Welt nur noch in „wir gegen die“ sieht,
kann die übelsten Dinge als „leider notwendige Maßnahme“ verkaufen.
Aber Achtung: Wir dürfen das Böse nicht einfach mit „der war halt dumm“ entschuldigen. Es gibt genug schlaue, gebildete, bestens informierte Leute, die ganz genau wissen, was sie tun – und es trotzdem oder sogar genau deshalb tun. Die die Lage kennen, die Regeln kennen, die Geschichten kennen. Und dann ganz bewusst entscheiden: „Mir egal, Hauptsache mein Vorteil, meine Macht, meine Ideologie bleibt stehen.“
Da fängt die echte Bosheit an: nicht beim Nicht-Wissen, sondern beim Wissen und trotzdem Weitermachen. Und auch diejenigen, die dabei zuschauen und nicht widersprechen, begeben sich damit in die Sphäre des Bösen – sie werden zu Mittätern. Am Ende schaden sie sich oft auch selbst.
Das alles liegt also nicht immer zusammen – aber erschreckend oft. Und genau da, wo das Nachdenken abgeschaltet wird, macht das Schlechte sich breit: mal mit Parteibuch, mal mit Konzernkrawatte, mal mit Stammtisch-Bier, mal mit PowerPoint-Präsentation.
Deshalb müssen wir als Menschen beides bekämpfen: den Typen, der aus Bequemlichkeit mitläuft und nie fragt, genauso wie den, der mit offenen Augen zuschaut und trotzdem draufhaut.
Denn nur wer wirklich hinschaut – auch wenn’s wehtut, auch wenn’s kompliziert wird, auch wenn’s die eigene Blase sprengt – kann verhindern, dass aus Gedankenlosigkeit Gewohnheit wird und aus Gewohnheit dann ganz normaler Alltagsfaschismus.
Kommentar schreiben