Pizza Internacional – Ich liebe Pizza und ganz besonders argentinische Pizza – dick, käsig und voller Geschmack.
Es gibt zwei Konstanten in meinem Leben: den Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit – und die ewige Sehnsucht nach Pizza. Und ehrlich gesagt: Beide gehören irgendwie immer auch zusammen. Denn wenn die Welt gerechter wäre, hätte jede:r jederzeit Zugang zu einer guten, heißen, knusprigen und saftigen Pizza – so oft und so viel, wie da ist.
Ich kann Pizza zu jeder Tageszeit essen. Frühstück? Pizza. Mittag? Pizza. Mitternacht? Selbstverständlich. Ich bin da kompromisslos – ob am Schreibtisch, auf der Demo, im Zug oder auf einer Parteiversammlung. Eine Pizza ist wie eine internationale Solidaritätsaktion: Sie funktioniert überall pluralistisch, sie verbindet Menschen – und sie macht glücklich. Und sie kann je nach Belag auch die Farbe und Weltanschauung wechseln.
Aber jetzt kommt der Punkt, an dem Italien kurz die Augenbrauen hebt: Die beste Pizza der Welt gibt’s nämlich nicht in Neapel – sondern in Buenos Aires! Aber das ist natürlich rein subjektiv und
wir alle finden dazu unsere eigene "Wahrheit2.
Richtig gelesen? Argentinien hat die höchste Dichte an Pizzerien weltweit. Das liegt daran, dass Millionen Migrant:innen im 19. und 20. Jahrhundert ihr Rezeptbuch mit über den Atlantik genommen haben – und dort eine eigene, stolze Pizzakultur geschaffen haben, dabei ihre Rezepte mit den vielen Menschen, die aus der ganzen Welt nach Argentinien gekommen waren, vermischt und verbessert haben.
Und diese Pizza ist … anders und vielfältig. Dick, saftig, fast wie ein weiches Brot, oft mit einer unverschämten Menge Käse. Sie heißt Fugazzetta rellena oder Pizza a la piedra, manchmal auch
einfach „eine Scheibe Glück mit Oregano“.
Argentinische Pizza-Genossenschaften
In Buenos Aires haben während der 1920er-Jahre die Arbeiter:innen in ihren Genossenschaften nicht nur Brot, sondern auch Pizza gemeinsam backten und an die Kolleg:innen verteil? Jede:r brachte eine Zutat mit, und nach getaner Arbeit wurde alles geteilt. Manche sagen, genau hier entstand die Idee der Pizza del Pueblo Unido: nicht für den Profit, sondern für die Gemeinschaft.
Argentinische „Pizza del Pueblo unido“ – Veganes Rezept
Zutaten (für 2 hungrige vegane Revolutionär:innen):
Teig:
• 500 g Weizenmehl
• 150 g Kartoffel, roh
• 1 TL Salz
• 1 TL Zucker
• 1 Päckchen Trockenhefe
• 300 ml lauwarmes Wasser
• 2 EL Olivenöl
Belag (argentinisch inspiriert & veganisiert):
• 2 große Zwiebeln, fein gehackt (Fugazza-Style!)
• 1 gelbe Paprika, gewürfelt
• 1 kleine Süßkartoffel, dünn geschnitten (südamerikanischer Touch)
• 150 g veganer Mozzarella oder Cashewkäse
• 2 EL Olivenöl
• 1 TL Oregano
• ½ TL Paprikapulver oder Ají molido (argentinische Gewürzmischung geräuchert) – (für den Pampas-Wind), je nach Geschmack
• Optional: ein paar schwarze Oliven, frische bunte Paprikastreifen, Zucchini und Chimichurri als Dip .. und natürlich alles, was gemacht wird.
Beim Belag gilt wie immer bei Pizza - nach Geschmack und Vorliebe ...
Zubereitung:
Mehl, Salz, Zucker und Hefe mischen. Wasser und Öl hinzufügen. Die Kartoffel ganz fein, fast flüssig, reiben. Alles zusammen zu einem glatten Teig kneten. 1 Stunde gehen lassen – oder so lange, wie es dauert, um mit den Genoss:innen den nächsten Pizzaabend zu planen.

In Italien Anfang des 20. Jahrhunderts waren Pizzerien oft Treffpunkte für Arbeiter:innen, Gewerkschafter:innen und politische Aktivist:innen. So wurden auch nach langen Schichten kleine Treffen organisiert, bei denen Pizza geteilt wurde – nicht nur zum Essen, sondern auch, um über Streiks, Genossenschaftsgründungen und soziale Reformen zu diskutieren. Die Pizza wurde so zu einem Symbol der Solidarität: Sie nährte Körper und Gemeinschaft. Viele Arbeiter:innen sagten damals: „Eine Pizza für jeden – und jeder Teig wird gemeinsam gemacht.“
In Teheran (Iran) wurden in den 1970er-Jahren Pizzarläden nicht nur als Orte für westliches Essen bekannt, sondern auch zu Treffpunkten für linke Studierende, Künstler:innen und politische
Aktivist:innen. Nach langen Diskussionen über soziale Gerechtigkeit, Arbeiterrechte und Frauenrechte teilten die Gruppen ihre Pizzen – oft selbstgebacken oder aus kleinen Familienbetrieben –
untereinander, um Solidarität zu zeigen. Die einfache, teilbare Natur der Pizza passte perfekt zum Geist der Bewegung der Revolution: Nahrung als Mittel der Gemeinschaft, Diskussion und des
kollektiven Handelns.
Kommt die Pizza also aus Neapel? Buenos Aires? New York? Teheran (Makhsoos oder Makhloot)? Tel Avi (Matzah Pizza)? Istanbul (Pide oder Lahmacun)? Damaskus (Manakish!)? Phnom Penh mit
Cannabis versetzte Zutaten? ...
Vielleicht ist das der wahre Ursprung der Pizza: nicht eine nationale Geschichte, sondern eine internationale Bewegung aus Notwendigkeit, Kreativität, Solidarität und Gemeinschaft.
Pizza ist gelebter Internationalismus:
Also ja – es ist eigentlich völlig egal, woher Pizza kommt. Wichtiger ist, dass sie bleibt, was sie immer war: ein Symbol dafür, dass die Welt schöner ist, wenn man teilt. 🍕✊🌍
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