Bergisch Gladbach ist ein Lehrstück dafür, wie lokale Politik im Dienste des Kapitals das Interesse der Menschen und Gemeinwohl systematisch verrät. Während die Wohnungskrise offenkundig für alle eskaliert – der Mietspiegel 2026 liegt bei durchschnittlich 13 €/m², in guten Lagen bis zu fast 15 €/m² –, bleiben bezahlbare Wohnungen für Normalverdiener, Familien und Rentner:innen ein rares Gut. Neubau dient fast ausschließlich Besserverdienenden, der Sozialwohnungsbestand schrumpft, und die Stadt wächst weiter, ohne dass die arbeitende Bevölkerung davon profitiert.
Statt dieser sichtbaren Not mit einer offensiven kommunalen Wohnungspolitik zu begegnen, betreibt die Stadtverwaltung und die sie tragenden Kräfte (CDU, FDP, SPD und Grüne als Mitläufer) weiterhin eine knallharte neoliberale und längst überholte Standortpolitik. Öffentliche Gelder und kommunale Instrumente fließen reichlich, wenn es um die Sicherung von Gewerbeflächen und Investoreninteressen geht – bei bezahlbarem Wohnraum und sozialer Infrastruktur heißt es aber plötzlich „kein Geld da“ und „wer soll das bezahlen?“. Das ist keine neutrale oder soziale Verwaltung, das ist Klassenpolitik für Reiche und gegen Arbeitnehmer:innen mit Familien. Mit dieser Politik dient diese Stadtverwaltung nicht den Menschen, sondern den Profiten von Investoren und Spekulanten. Sie verwalten die Wohnungsnot, statt sie wirksam und entschlossen zu bekämpfen.
Isover-Gelände: Vorkaufsrecht als halber Schritt
Die aktuelle Sicherung eines Vorkaufsrechts auf dem Isover-Gelände zeigt dieses Muster exemplarisch. Die Stadt handelt schnell, um Flächen für „wirtschaftliches Wachstum“ und Gewerbe zu reservieren und setzt auch viel Geld dafür ein. Dafür ist plötzlich immer genug Geld da und es ist immer wieder ein „Wunder“ woher das kommt. Geld ist also doch da ., wenn es gewollt wird.
Am Standort Isover in Bergisch Gladbach wird weiterhin in reduziertem Umfang mit 60 Kolleg:innen produziert. Dass ein traditionsreicher Industriestandort nach dem Abbau der Glaswolleproduktion nur noch als Rumpfbetrieb weiterläuft, zeigt einmal mehr, wie schnell Arbeitsplätze unter wirtschaftlichem Druck geopfert werden, während die Menschen vor Ort mit Unsicherheit zurückbleiben.
Sicherung von Arbeitsplätzen muss Vorrang haben
Die kommunalpolitische Perspektive muss sein: Im Mittelpunkt müssen die Beschäftigten stehen – nicht die Frage kurzfristiger Verwertbarkeit von Flächen oder betriebswirtschaftlicher „Optimierung“. Die Stadt darf sich nicht in eine Zuschauerrolle drängen lassen, sondern muss aktiv Druck machen, damit die Arbeitsplätze gesichert und gute Arbeitsbedingungen erhalten bleiben. Dazu gehört vor allem, verbindliche Zusagen für den Standort und langfristige Perspektiven für die Kolleg:innen einzufordern. Eine mögliche Vorkaufsoption für das Gelände durch die Stadt kann dabei höchstens das letzte Mittel sein, wenn alle anderen Instrumente ausgeschöpft sind. Vorrang muss immer haben, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben und die Beschäftigten nicht in Unsicherheit gelassen werden, während über ihre Zukunft zwischen Unternehmensinteressen und Flächenverwertung verhandelt wird.
Das Vorkaufsrecht ist richtig und notwendig
Da formale Verankerung eines Vorkausfsrechts für das ISOVER-Gelände, so wie es die Stadtverwaltung nun vorgeschlagen hat, kann Spekulation verhindert und der Kommune Einfluss auf die Stadtentwicklung sichern. Doch das reicht bei weitem nicht. Das Vorkaufsrecht ist ein erster Pflock gegen die Spekulanten. Aber wir dürfen uns nicht damit zufriedengeben. Wenn der Eigentümer das Gelände weiterhin als Anlageobjekt behandelt, muss die Enteignung folgen – im Interesse der Beschäftigten und der ganzen Stadt.
Wachendorff/Kradepohl-Gelände: Skandalöses Versagen seit über 20 Jahren
Der absolute Skandal und Negativbeispiel ist die Gewerbefläche Wachendorff-Gelände in Gronau. Seit dem Produktionsende 2003 liegt dieses zentrale Areal brach, verfällt, wurde und wird zum Spielball von Spekulation und Stadt Bergisch Gladbach. Der jetzige Eigentümer und „Investor“ hält die Stadt seit Jahren mit leeren Ankündigungen und großen Shows hin – ohne dass nennenswert etwas passiert. Die Stadt wartet ab, statt zu handeln. Das ist kein Pech, das ist kommunalpolitisches Versagen auf ganzer Linie. Erst 2025 hat der Stadtrat das Vorkaufrecht für dieses Gelände beschlossen, was deutlich macht, dass diese Erkenntnis auch dort zumindest angekommen ist.
Über 20 Jahre Leerstand, während Tausende Bürger:innen auf bezahlbaren Wohnraum warten – das ist kein Zufall, das ist eine Verhöhnung der Bevölkerung. Die Linke hat 2025 die Enteignung beantragt, weil Spekulation kein Grundrecht ist. Die Stadt sollte dem Eigentümer des Wachendorffgeländes jetzt ein Kaufangebot machen und bei Scheitern ein formales Enteignungsverfahren einleiten. Ziel für Die Linke: Mindestens 450–750 bezahlbare, klimagerechte Wohnungen in kommunaler oder genossenschaftlicher Hand, mit Kita, Senioreneinrichtungen, barrierefreiem Wohnen und echter Bürger:innenbeteiligung. Spekulation darf nicht über dem Gemeinwohl stehen!
Linke Forderungen für Bergisch Gladbach
Die Perspektive ist klar: Wir brauchen eine radikale Wende hin zu einer solidarischen und sozial-ökologischen Stadtpolitik. Genug der neoliberalen Sackgasse! Enteignet die Spekulanten, baut massenhaft bezahlbaren Wohnraum und stellt die Menschen in den Mittelpunkt – nicht die Renditeerwartungen von Investoren.
Die aktuelle Politik der Stadt Bergisch Gladbach ist eine Kapitulation vor dem Markt und vor den Reichen in dieser Stadt. Sie schützt Profite, während Menschen in unsicheren Jobs und teuren Wohnungen zurückbleiben und Brachen verrotten. Mit einem Vorkaufsrecht holt sich der Stadtrat ein Stück wieder zurück und gewinnt möglicherweise Handlungsspielräume und Optionen für eine klimagerechte und soziale Stadtentwicklung.
Soziale und klimagerechte Zukunftsvision für das Isover-Gelände:
Stellen wir uns das Isover-Gelände einmal wirklich zukunftsfähig vor: Ein neues, lebendiges Stadtquartier, in dem auf rund 11 Hektar mindestens 500–700 bezahlbare Wohnungen in kommunaler und genossenschaftlicher Trägerschaft könnte entstehen – barrierefrei, energieplus und mit hohem Grünanteil. Klimagerechte Holzbauweise, Photovoltaik auf allen Dächern, Nahwärmenetze und Regenwassermanagement machen das Quartier nahezu CO₂-neutral. Große Park- und Gemeinschaftsflächen, ein neuer Stadtteilpark, eine Kita, ein Quartierszentrum und Räume für soziale und kulturelle Projekte schaffen echten Lebensraum für alle, junge Menschen, Familien und Senioren.
Gleichzeitig können gute tarifgebundene Arbeitsplätze entstehen, in der sozial-ökologischen Transformation, der Kreislaufwirtschaft und der Pflege. Die ehemaligen Industrieflächen brauchen nicht einfach versiegelt werden, sondern können zu einem Vorzeigeprojekt für eine solidarische Stadtentwicklung und nachhaltige Wirtschaftsförderung mit guten Arbeitsplätzen werden, bei dem die Beschäftigten, Mieter:innen und die Nachbarschaft mitentscheiden. So könnte aus einer brachfallenden Industriebrache ein Ort werden, an dem gute Arbeit, innovative Produktion, Wohnen als Menschenrecht und Klimagerechtigkeit endlich zusammenkommen – statt weiterer Profite für wenige.
Bergisch Gladbach braucht eine starke linke Opposition
Es wird immer klarer, dass Bergisch Gladbach eine starke linke Opposition im Stadtrat und eine gemeinsame linke Fraktion braucht, die konsequent Druck – für bezahlbares Wohnen als Menschenrecht und für eine Stadt, die den arbeitenden Menschen dient, nicht dem Kapital.
Die eigentliche Auseinandersetzung um „Eine Stadt für Alle!“ hat gerade erst begonnen. Vorkaufsrecht allein reicht nicht. Enteignung für das Gemeinwohl wo nötig – und eine
Politik, die endlich die Seite der Mehrheit wählt.
Kommentar schreiben