Der vergessene Krieg: Bomben auf den Iran und Europa guckt weg, weil die Heizung noch warm ist

Eine einfache und klare Analyse der aktuellen Lage zeigt, dass hinter dem Krieg im Iran handfeste Interessen stecken. Anfang Juli 2026 ist die kurze Waffenruhe vollständig zusammengebrochen und die Erwartung auf einen Abkommen zwischen den USA und dem Iran erstmal begraben. Die USA und Israel fliegen wieder schwere Luftangriffe, und das iranische Militär schießt Raketen auf Nachbarstaaten wie Kuwait und Bahrain und erklärt den Seeverkehrs auf der traße von Hormus für beendet.

 

Ein großes Rätsel an diesem brutalen Krieg ist jedoch: Warum schweigen große Teile der Öffentlichkeit in Europa dazu? Der Konflikt wird wie ein vergessener Krieg behandelt, der einfach im Hintergrund weiterläuft.

Aus Sicht der demokratischen iranischen Opposition lässt sich die Situation in vier einfachen Punkten erklären:

 

1. Es geht wir immer um Öl, Geld und Deals, nicht um Menschenrechte

 

Die heftigsten Kämpfe finden an der Straße von Hormus statt, einer der wichtigsten Seestraßen für Öl-Tanker weltweit. Westliche Staaten sagen oft, sie wollen dort die „Freiheit und den Handel schützen“. In Wahrheit ist es ein Krieg um wertvolle Rohstoffe und Transportwege. Der Bombenkrieg und die Blockade der letzten Monate hat den Volkswirtschaften in Europa sehr geschadet und die Situation hat sich zunehmend verschärft.
 

Die Ölpreise steigen deutliche an und große Energiekonzerne verdienen durch die steigenden Öl- und Gaspreise viel viel Geld. Auf der anderen Seite müssen normale Familien in Europa und auf der Welt die Zeche dafür zahlen, weil nicht nur das Heizen werden wird, sondern das Leben insgesamt und überall immer teurer werden. Auch die öffentlichen Haushalte und europäische Regierungen geraten durch die Not der Menschen zunehmend unter politischen Handlungsdruck.  

 

2. Der Krieg hilft den Herrschenden im Iran

 

Für die mutigen Menschen im Iran – besonders für die Frauen- und Arbeiterbewegung („Frau, Leben, Freiheit“) – sind die Angriffe von außen eine Katastrophe. Bevor die Bomben fielen, war das iranische Regime durch Proteste Stück für Stück und von von innen ins Wanken geraten. Das Regime konnte zwar die Proteste Anfang des Jahres niederschlagen, aber nur unter Einsatz brutalster Gewalt und einem massiven Vertrauensverlust in der Bevölkerung. Dem Regime und dem Menschen war klar, dass die iranische Regierung keine Mehrheit hat, sondern nur noch durch Korruption und Gewalt an der Macht halten kann. 

 

Jetzt nutzt die neue Führung in Teheran den Krieg als nationale Ausrede. Jede und jeder, die für bessere Löhne streiktén oder gegen den Kopftuchzwang protestieren, werden sofort als „Verräter:innen“ verhaftet oder hingerichtet. Die ausländischen Bomben stürzen das Regime nicht. Sie zerstören stattdessen die Hoffnung der Menschen, das Land aus eigener Kraft von der Diktatur zu befreien und in eine Demokratie zu führen. Der Kriege hat in der Folge die demokratische Opposition im Land durch massive Repression geschwächte und in den letzten Monaten wurden hunderte Oppositionelle hingerichtet.   

 

3. Das große Schweigen in Europa

 

Obwohl im Nahen Osten ein riesiger Brand droht, sieht die Bevölkerung in Europa weg. Der Krieg ist zu einem Hintergrundrauschen in den Nachrichten geworden und über die massive Hinrichtungswelle wird nicht mal mehr berichtet. In den Medien wird meistens nur darüber gesprochen, was die Krise für die Wirtschaft, die Energiepreise oder die Aktienmärkte bedeutet oder welche Auswirkungen es auf den Wahlkampf der Republikaner und Donald Trump hat. Das Leid der Menschen und der Kampf für Freiheit vor Ort wird ausgeblendet. Es gibt kaum Proteste auf den europäischen Straßen. Der Krieg mit Unterstützung der NATO geht einfach weiter, als wäre er normal.

 

4. Die linke Bewegung in Europa ist gelähmt

 

Auch linke Parteien und Friedensbewegungen in Europa tun fast nichts. Sie sind intern zerstritten und wissen nicht, wie sie reagieren sollen:

  • Die einen sehen nur die Fehler des Westens und blenden dabei völlig aus, wie grausam und menschenfeindlich das iranische Regime zu der eigenen Bevölkerung ist. In den meisten Erklärungen lesen wir geopolitische Kritik an den USA und Israel und meistens nur einem anhängenden Nebensatz, „da war ja noch die fortschrittliche Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“, welche von dem iranischen Regime unterdrückt wird. Manche erwähnen die demokratische Opposition überhaupt nicht und sehen die iranischen Revolutionsgarde (IRGC) und die iranischen Stellvertreterorganisationen in der Region sogar als Widerstandskämpfer:innen und mögliche Bündnispartner:innen im Kampf gegen den Imperialismus an.
  • Die anderen haben Angst, dass ein Protest gegen die westlichen Bomben so aussieht, als würde man die Mullahs im Iran unterstützen. Ein Dilemma, bei dem die demokratische Opposition im Iran auf der Strecke bleibt. In der Folge reden immer weniger über deren Lage und wie der Iran von dem menschenverachtenden islamistischen Regime befreit werden kann.

Weil sie Angst vor Streit und Fehlern haben, schweigen sie lieber ganz. Faktisch überlassen sie die Politik den Militärs und dem Krieg. Es geht und ging nie um Diplomatie, Frieden und Freiheit. Es ging um wirtschaftliche Interessen und deshalb schweigt auch Europa.

 

Die aktuelle Eskalation zeigt deutlich: Weder die Bomben der USA noch die Diktatur der Mullahs bringen Freiheit. Echte Veränderung im Iran kann nicht von außen angeflogen kommen. Sie kann nur von den Menschen im Iran selbst erkämpft werden – von den Arbeitern und der Frauenbewegung. Damit das gelingt, muss Europa endlich aufwachen und aufhören, diesen Krieg zu ignorieren.

 

 

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