
Der historische Kontext dieses Zitats von Albert Einsteins ist nicht eindeutig dokumentiert. Dennoch spiegelt es seine humanistische Überzeugung wider, dass Passivität in Zeiten moralischer oder politischer Krisen Unrecht begünstigt.
In der aktuellen deutschen Debatte um rechte Bewegungen, Autoritarismus und offenen Rassismus zeigt das Zitat seine Relevanz. Es richtet sich nicht nur an Täter:innen, sondern auch an jene, die sich als „liberale“ oder „progressive“ Antirassist:innen bezeichnen.
Viele von ihnen erhalten durch Gleichgültigkeit und Heuchelei Strukturen aufrecht, die Migrant:innen ausschließen, marginalisieren oder instrumentalisieren.
Ihr Schweigen zu inneren Missständen – etwa wenn migrantische Stimmen in „progressiven“ Organisationen ignoriert werden – ist keine Neutralität, sondern Komplizenschaft. Symbolische „Vielfalt“
ohne echte demokratischer Teilhabe ist bloße Imagepflege oder Selbsttäuschung, die die Glaubwürdigkeit der Bewegung untergräbt. Einsteins Aufruf fordert aktives Handeln und Selbstkritik, um
Unrecht nicht nur zu benennen, sondern zu bekämpfen.
Schweigen im demokratischen Lager
Auch in „progressiven“ Organisationen herrscht oft eine Kultur des Schweigens, wenn es um eigenes Versagen geht. Viele empören sich laut über den Rassismus der Rechten – doch wenn migrantische Mitglieder im eigenen Verein keine Stimme haben, systematisch an Entscheidungsprozessen vorbeigeschoben oder übergangen werden, bleibt es still. Diese Heuchelei ist Gift: Se werden Pseudodemokratie in staatlichen Institutionen anprangert, während im eigenen Umfeld genau dieselben undemokratischen Muster geduldet werden. Gleichgültigkeit gegenüber diesen Missständen ist keine Tugend – sie ist Verrat an den eigenen Werten.
Tokenismus als
Tarnung
Viele dieser Gruppen setzen auf aufgesetzte „Vielfalt“ und "Farben": ein paar migrantische Gesichter auf Broschüren mit Regenbogen, nette Redebeiträge bei Demos über Toleranz, ein kulturelles Rahmenprogramm mit „internationalem Flair“. Doch diese Symbolpolitik bleibt eine Farce, wenn migrantische Mitglieder keinen realen Einfluss auf Programmentwicklung, Finanzen oder strategische Entscheidungen haben. Das ist keine Solidarität – das ist Imagepflege, die Gleichgültigkeit gegenüber echter Inklusion mit bunten Fassaden kaschiert. Wer Vielfalt nur inszeniert, aber nicht lebt, betrügt nicht nur die Betroffenen, sondern die gesamte Bewegung und sich selbst.
Einfluss behalten statt teilen
Die unangenehme Wahrheit: Auch Teile der „Progressiven“ wollen Migrant:innen in der Bewegung, aber nicht auf Augenhöhe. Sie sind willkommen als „Thema“, als „Betroffene“, als „moralische
Ressource“ und "Schmuckstück" im Kampf gegen Rechts – solange sie nicht beginnen, selbst Forderungen zu stellen, eigene Programme zu entwickeln oder die Prioritäten der eigenen Organisation
infrage zu stellen, wenn es kein Platz für Migrat:innen darin gibt oder sie nur an den Rand geschoeben werden. Diese Heuchelei zeigt sich, wenn echte Teilhabe mit Ausreden, Ausflüchten und
Formalia abgelehnt oder nicht besprochen wird, während sie sich selbst als moralisch überlegen abfeiern und sich in aufgeblasenen Wortradikalität gegenseitig auf die Schultern klopen.
Einsteins Satz trifft hier mit voller Wucht: Das Unrecht lebt nicht nur von den Gegnern – es lebt von den vermeintlichen Verbündeten, die aus Gleichgültigkeit oder Bequemlichkeit nicht handeln.
Der Preis der Untätigkeit im eigenen Lager
Wer diese Missstände duldet, untergräbt die Glaubwürdigkeit der gesamten Bewegung. Wie will eine demokratische antirassistische Bewegung glaubhaft Vielfalt, Toleranz, Demokratue oder Wahlrecht
für alle fordern, wenn sie in ihren eigenen Strukturen Mitspracherechte beschneidet?
Wie will sie rassistische Ausgrenzung bekämpfen, wenn sie selbst migrantische Stimmen nur dann verträgt und verstärkt , wenn sie ins Konzept passen? Diese Heuchelei nährt Misstrauen und
entfremdet jene, die man angeblich unterstützt. Gleichgültigkeit gegenüber den eigenen Fehlern ist keine Bagatelle – sie ist eine aktive Schwächung und Spaltung der Bewegung, durch offene
Entsolidarisierung.
Schlussfolgerung – Selbstkritik als Pflicht
Einstein hat Recht: Die Welt wird nicht nur durch Täter zerstört. Sie wird auch zerstört durch jene, die sich einreden, „wir sind doch die Guten“, und deshalb ihre Augen vor dem Unrecht im
eigenen Umfeld verschließen. Eine „Bewegung gegen Rassismus“, die nicht bereit ist, ihre eigenen Strukturen zu hinterfragen und zu verändern, ist heuchlerisch und Teil des Problems.
Echte Solidarität heißt: Entscheidungsräume öffnen, Konflikte aushalten und echte Teilhabe ermöglichen – statt Migrant:innen als dekorative „Vielfalt“ zu benutzen, um die eigene weiße Komfortzone
zu schmücken. Wer Gleichgültigkeit und Heuchelei in den eigenen Reihen toleriert, ist nicht besser als die, die sie bekämpfen.