Wem gehört die Stadt – den Menschen oder den Vorgärten?

Holen wir unser Bergisch Gladbach zurück!

Die seit Jahren geplante Erneuerung der stark maroden Skate-Anlage an der Saaler Mühle sorgt erneut für Streit in Bergisch Gladbach: Die Bürgergemeinschaft Alt-Frankenforst e. V. hat gegen das Projekt geklagt und kritisiert den Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet sowie mögliche Auswirkungen auf Natur und Erholung.

Die Stadtverwaltung hält hingegen an ihren Plänen fest, betont, alles rechtlich sauber vorbereitet zu haben, und sieht sich „gut aufgestellt“ – trotz drohender Verzögerungen bei dem rund 1,2-Millionen-Euro-Projekt.

Was steckt dahinter, und welche Optionen gibt es noch?

 

Landschaftsschutz – das Schweizer Taschenmesser der Verhinderung

Landschaftsschutz sollten wir in Bergisch Gladbach immer ernst nehmen. Er ist nämlich ein echtes Multitool: Man klappt ihn auf, sobald irgendwo Jugendliche Spaß haben könnten, und schon ist jeder alte Bolzplatz kurz vor dem UNESCO-Weltkulturerbe.

 

Erholung heißt nicht nur still sitzen

Schauen wir also genauer hin. Im Umfeld der heutigen Saaler Mühle in Bergisch Gladbach wurde bereits seit dem 17. Jahrhundert Braunkohle im Tagebau gefördert. Im modernen Bergisch Gladbach wurde die Saaler Mühle in ein Naherholungsgebiet umgebaut. Und Erholung bedeutet bekanntlich nicht nur stilles Sitzen und bedeutungsvoll in die Ferne nicken, sondern manchmal auch: rollen, springen, schwitzen. Kurz: Sport. Sport für Alle und damit ist nicht nur Golf im Country-Club gemeint.

 

Alles Natur – außer es wurde vor meiner Zeit gebaut

Der gesamte Bereich wurde vor Jahrzehnten rekultiviert, nachdem der Wald entwässert wurde, um dort einen künstlichen See, eine Schule mit großen Sportanlagen, eine Eisporthalle und ein Schwimmbad zu bauen. Landschaftsschutz bedeutet hier also vor allem: Alles, was vor meiner Zeit gebaut wurde, gilt heute als Natur.

 

Echter Naturschutz wäre auch mal was

Falls die Bürgergemeinschaft tatsächlich einen Alternativstandort finden sollte (wir drücken die Daumen – wirklich), könnte man sogar Teile der nödlichen „Saaler Mühle“ hinter der Stra0e renaturieren. Also echten Naturschutz – nicht diese Variante, bei der man sich schützend vor eine Idee stellt, bis sie von selbst verschwindet.

Belgische Platz im Frankenforst als Multi-Court (OpenMap)
Belgische Platz im Frankenforst als Multi-Court (OpenMap)

 

Belgischer Platz: Gepflegt, bezahlt, benutzt von niemandem

Im östlichen Frankenforst liegt direkt an der Parkstraße der kleine Park „Belgischer Platz“, der seit Jahrzehnten liebevoll nicht genutzt wird. Die Anwohner:innen haben eigene Gärten, das attraktivere Naherholungsgebiet liegt direkt daneben. Der Park erfüllt deshalb vor allem eine wichtige Funktion: Er wird regelmäßig gepflegt und kostet Geld und Steuermittel. Bezahlt von allen – auch von denen, die Grün nur aus dem Stadtplan kennen und am „Belgischen Platz“ eher unerwünscht sind.

 

Multi-Court oder Land-Club-Außenstelle?

Warum also nicht den „Belgischer Platz“ als Standort für einen Multi-Court prüfen? Ein logistischer Traum: Skate-Tourist:innen aus Köln könnten bequem mit Maybach oder Lexus anreisen, direkt an der Parkstraße parken und wären sofort da.

Fast schon eine kommunale Außenstelle der feinen Gesellschaft Köln.

 

Bezahlbarer Wohnraum statt Zierpark

Ich nehme die Debatte um den Skaterpark zum Anlass, eine alte Idee wieder hervorzuholen – früher halb scherzhaft, heute erschreckend vernünftig: Schon 2014 hatte ich vorgeschlagen, auf dem „Belgischer Platz“ bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Städtische Fläche, Wohngebiet, geringe Bauhöhe – kein städtebauliches Abenteuer. 80 bis 90 Sozialwohnungen für rund 180 Menschen wären möglich. Das würde zumindest etwas gegen die Wohnungsnot helfen und gleichzeitig Landschaft schützen – indem nicht immer weiter ins Grüne gebaut, sondern sinnvoll verdichtet wird.

 

Stillstand ist auch eine Haltung

Aber klar: Landschaftsschutz funktioniert in Bergisch Gladbach am zuverlässigsten, wenn er nichts verändert.

 

Stadtpolitik ist kein Gartenzaun-Wettbewerb

Und ja: Als Mitglied des Stadtrats für Die Linke bleibe ich hartnäckig an einer gerechten Wohnungspolitik dran. Denn Stadtpolitik ist kein Gartenzaun-Wettbewerb „Wer hat die schönste Terrakotta-Terrasse“, sondern die Frage, wie viele Menschen hier gut leben und ihre Freizeit gestalten können – und nicht, wie ungestört der englische Rasen wächst oder wer sich beim Spaziergang zum „Golf- und Land-club Köln“ am jugendlichen Skaterpark gestört fühlt.

 

Vorhang auf für die nächste Runde

 

Und ab in die nächste Runde – zum nächsten Büttenredner.

Auch lesen:

  • Ist der "Belgischer Platz" Frankenforst geeignet für preiswerten Wohnraum? 
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