Symbolisch mundtot: Mahnwache in Bergisch Gladbach zeigt Solidarität mit Iran-Protesten

Ort der Trauer, Solidarität und Hoffnung für die Menschen im Iran - Bergisch Gladbach

Rund 50 Menschen versammelten sich am Samstag, 17. Januar 2026, um 11:30 Uhr auf dem Trotzenburgplatz in der Fußgängerzone von Bergisch Gladbach zu einer stillen Mahnwache. Die überparteiliche Veranstaltung galt den Opfern der anhaltenden Proteste und der brutalen Repression im und verstand sich als Ort der kollektiven Trauer, der internationalen Solidarität und der Hoffnung auf Veränderung.  

 

Die Teilnehmenden gedachten der zahlreichen Getöteten in der jüngsten Protestwelle, die Ende Dezember 2025 durch Streiks im Teheraner Basar ausgelöst wurde und sich seither gegen Wirtschaftskrise, Währungsverfall und staatliche Unterdrückung richtet. Menschenrechtsorganisationen berichten von vielen Hunderten bis mehren Tausenden Opfern durch Gewalt des Regimes in den letzten Wochen – Zahlen, die aufgrund von Informationsblockaden und Internetabschaltungen nur schwer verifizierbar sind.  

 

„Wir werden sie überfinden!“ 

 

Begleitet von persischen Protestliedern, die den Widerstand gegen Unterdrückung musikalisch zum Ausdruck brachten, schufen Kerzen, Blumen, Fotos der Opfer sowie Plakate mit dem Slogan „Frau, Leben, Freiheit – Jin, Jiyan, Azadî“ und „Freiheit für Iran“ eine eindringliche Atmosphäre der Anteilnahme und des Gedenkens.  

 

Ein starkes Symbol setzte die Initiatorin der Mahnwache, Hale Santillán-Bagherzadeh für die LiL im Integrationsrat: Während der gesamten Veranstaltung schwieg sie bewusst und klebte sich symbolisch den Mund zu. Damit machte sie auf Zensur, systematische Repression und das gewaltsame Zum-Schweigen-Bringen kritischer Stimmen im Iran aufmerksam. Hale Bagherzadeh stammt aus Teheran, lebt seit 15 Jahren im Exil in Deutschland und musste wegen ihres Engagements für Menschenrechte fliehen. Bis heute ist sie von ihren Kindern, ihrer Familie und ihren Wurzeln getrennt.  

 

Redebeiträge aus Politik und Zivilgesellschaft

 

Die Mahnwache wurde von Tomás M. Santillán, Ratsmitglied der Partei Die Linke in Bergisch Gladbach, eröffnet. Er betonte, dass die Getöteten im Iran keine anonymen Zahlen seien, sondern Töchter, Söhne, Freund:innen und Kolleg:innen. Das Regime sichere seine Macht durch systematische Gewalt, Folter, Hinrichtungen und Angst – besonders gegen Frauen, queere Menschen und Minderheiten. Der globale Slogan „Frau, Leben, Freiheit“ sei eine klare Absage an Patriarchat, religiösen Autoritarismus und Entmenschlichung. „Schweigen oder Neutralität sind keine Optionen“, so Santillán. „Trauer muss politisch werden und sich eindeutig auf die Seite der Demokratiebewegung stellen.“

  

Corvin Kochan, stellvertretender Bürgermeister von Bergisch Gladbach und stellvertretender Vorsitzender der SPD im Rheinisch-Bergischen Kreis, schilderte die brutale Repression, Internetabschaltungen und die tiefe Verunsicherung vieler Angehöriger auch in Deutschland. Ein Staat, der nur noch mit Gewalt gegen die eigene Bevölkerung regiere, habe jede Legitimation verloren. Er forderte konkrete politische Schritte: ein Betätigungsverbot der iranischen Revolutionsgarden in Deutschland, einen bundesweiten Abschiebestopp in den Iran sowie die Einstufung der Revolutionsgarden als Terrororganisation auf europäischer Ebene. „Solidarität darf nicht bei Worten bleiben.“  

 

Joshua Vossebrecker, Ortsverbandsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, warnte davor, die Proteste geopolitisch zu instrumentalisieren oder für islamfeindliche Narrative zu missbrauchen. Es handle sich um einen Freiheitskampf gegen ein autokratisches Regime – nicht gegen eine Religion. Er kritisierte scharf die deutsche Abschiebepolitik: Abschiebungen in den Iran seien lebensgefährlich. „Solidarität muss überall gelten, wo Menschenrechte verletzt werden – sie darf nicht gegeneinander aufgerechnet werden.“  

 

„Stell dir vor …“ - Stimme aus dem Exil – ein Gedicht! 

 

Da Hale Santillán-Bagherzadeh selbst nicht sprach, trug ihr Ehemann Tomás M. Santillán ein von ihr verfasstes Gedicht vor. Es schildert eindringlich die Erfahrung von Exil, familiärer Trennung und lebenslanger Ungewissheit: 15 Jahre ohne die eigenen Kinder, ohne Abschiede und Berührungen, geprägt von sozialem Abstieg, Entwürdigung, Warten auf Nachrichten und permanenter Angst. Exil wird darin als Strafe ohne Urteil beschrieben – das bloße Weiterleben als schmerzhafter, aber notwendiger Akt des Widerstands.  Das Gedicht hier als PDF.

 

Die Mahnwache sandte eine klare Botschaft an die Menschen im Iran: „Ihr seid nicht allein. Eure Stimmen werden gehört. Trauer darf nicht in Schweigen erstarren – sie bleibt solidarisch, politisch und hoffnungsvoll. „

 

Ein Video der Veranstaltung finden sie bei Youte unter „Mahnwache Iran Bergisch Gladbach 2026“  https://youtu.be/m8lM9Hbmdkk

 

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