Der neue Wohnungsmarktbericht (26.01.2026) des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) versucht, eine Entspannung auf dem Mietmarkt zu suggerieren. Sinkende Dynamiken bei Neuvertragsmieten würden auf eine Normalisierung hindeuten. Diese Darstellung ist irreführend – und sie verkennt die soziale Realität auf den Wohnungsmärkten, insbesondere in Städten wie Bergisch Gladbach. Zwar weist der IW-Report für Bergisch Gladbach einen Anstieg der Neuvertragsmieten von rund drei Prozent aus. Doch diese Zahl sagt wenig über die tatsächliche Lage aus. Entscheidend ist nicht allein die Steigerungsrate, sondern das längst erreichte Mietniveau und der massive Mangel an bezahlbarem Wohnraum.
„Der IW-Report redet von Entspannung, während Menschen in Bergisch Gladbach verzweifelt nach Wohnungen suchen. Das ist keine Analyse, das ist Schönfärberei mit Taschenrechner. Tatsächlich sind wir seit Jahren in einem tiefen Tal der Tränen“, erklärt Tomás M. Santillán, Mitglied im Stadtrat Bergisch Gladbach Die Linke.
Besonders problematisch ist, dass der IW-Report die Angebotsseite zwar statistisch betrachtet, aber die soziale Zugänglichkeit des Wohnungsmarktes ausblendet. Die Stadtverwaltung Bergisch Gladbach selbst hat förmlich festgestellt, dass Haushalte mit geringem Einkommen auf dem freien Markt kaum noch Angebote finden. Für bestimmte Gruppen liegt die Deckung des tatsächlichen Bedarfs bei nur null bis sechs Prozent – ein faktischer Wohnungsnotstand.
„Wer arm ist, kommt in diesen Statistiken gar nicht mehr vor, weil er längst aus dem Markt gedrängt wurde“, so Santillán. „Neubau hilft nur, wenn man ihn sich leisten kann. Es wird gebaut, als gäbe es nur Gutverdienende – alle anderen werden einfach unsichtbar gemacht.“
Auch der Neubau wird im IW-Report pauschal als Lösung dargestellt. In der Realität entstehen jedoch in Bergisch Gladbach fast ausschließlich hochpreisige Miet- und Eigentumswohnungen. Sie erhöhen rechnerisch das Angebot, verschärfen aber sozial die Situation, weil sie für große Teile der Bevölkerung nicht bezahlbar sind. Während der IW-Report von einer angeblichen Entspannung fabuliert, schrumpft gleichzeitig der Bestand an Sozialwohnungen weiter. Ohne entschlossenes politisches Gegensteuern droht in Bergisch Gladbach ein drastischer Rückgang – eine Entwicklung, die bekannt ist, aber politisch bislang nicht ausreichend beantwortet wird.
Besonders gefährlich ist die implizite Botschaft des IW-Reports, der Markt werde das Wohnungsproblem letztlich selbst lösen. Genau diese Logik hat jedoch zur aktuellen Krise geführt. Der Markt baut dort, wo Renditen hoch sind – nicht dort, wo Wohnraum dringend gebraucht wird. Der Markt hat seit mehr als zwei Jahrzehnten die Probleme nicht gelöst.
„Der Markt regelt Profite, aber kein Menschenrecht. Entspannung auf dem Papier ersetzt keine Wohnung im echten Leben. Während der IW von Normalisierung spricht, halbiert sich der Sozialwohnungsbestand. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrelanger politischer Untätigkeit auch vor Ort in Bergisch Gladbach.“, stellt Santillán klar.
Aus Sicht Die Linke braucht es statt statistischen Schönredens eine konsequente politische Wende: einen massiven Ausbau des kommunalen Wohnungsbaus, verbindliche Sozialwohnungsquoten, eine aktive Bodenpolitik gegen Spekulation sowie ausreichend Personal und Mittel für Wohnraumschutz und Mieterschutz.
„Wohnen ist keine Konjunkturkennziffer. Wohnen ist ein Grundrecht – und dieses Grundrecht wird in Bergisch Gladbach für immer mehr Menschen verletzt“, so Santillán abschließend.
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