Lea Reisner - Die Linke - Mitglied des deutschen Bundestags spricht bei der Solidaritätskundgebung für die iranischen Proteste (07.02.2026 - #Heumarkt Köln)
Transskript der Rede: "Meine Name ist Lea Reisner aus Köln und sehr froh, dass wir heute hier gemeinsam stehen und dafür sorgen, dass das, was gerade im Iran passiert, eben nicht in Vergessenheit gerät. Weil, wenn wir heute über den Iran sprechen, dürfen wir eines nicht vergessen. Es geht hier nicht zuerst um Regierungen, nicht um Strategie und nicht um irgendwelche geopolitischen Spiele.
Es geht um Menschen. Es geht um Frauen, die auf die Straße gehen und ihr Kopftuch abnehmen, obwohl sie wissen, dass sie dafür verhaftet oder ermordet werden können. Um ArbeiterInnen, deren Löhne nichts mehr wert sind, weil die Preise explodieren.
Um junge Menschen, die keine Zukunft sehen, weder politisch noch wirtschaftlich. Es geht um einen Staat, der auf massive Proteste mit Repression reagiert. Das müssen wir klar benennen.
Wer für Freiheit, für Rechte, für ein würdiges Leben kämpft, der verdient unsere uneingeschränkte Solidarität. Unsere Solidarität bedeutet, wir stellen uns nicht hinter Regierungen, weder dort noch hier. Denn die Wahrheit ist, die Menschen im Iran stehen nicht nur unter Druck durch ein autoritäres Regime.
Sie stehen auch unter Druck durch Sanktionen, durch wirtschaftliche Isolation, durch eine Politik, die ganze Gesellschaften in die Knie zwingt, um geopolitische Ziele durchzusetzen. Und wer bezahlt den Preis dafür? Es sind nicht die Generäle, es sind nicht die sogenannten religiösen Führer, es sind nicht die politischen Eliten, sondern es sind die Menschen, die arbeiten. Die Familien, die ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können, die Kranken, die keine Medikamente mehr bekommen.
Das ist kein Kollateralschaden, das ist die Realität von Sanktionen. Und ich finde, wir müssen das laut sagen. Diejenigen, die am lautesten von Druck auf den Iran sprechen, meinen zu oft Druck auf die Bevölkerung.
Und das ist keine Außenpolitik im Interesse der Menschen, das ist Machtpolitik. Freiheit wächst nicht aus Hunger. Demokratie wächst nicht aus Bomben.
Und Menschenrechte werden nicht durch Wirtschaftskrieg verteidigt. Freundinnen, wir müssen den Iran auch im Zusammenhang mit der gesamten Region sehen. Vom Irak über Syrien bis in den Jemen und Palästina leben Millionen Menschen seit Jahren mit Kriegssanktionen, Besatzungen und Stellvertreterkonflikten.
Eine ganze Generation kennt nichts anderes als Unsicherheit. Und die Opfer der geopolitischen Spiele sind eben nicht die Präsidenten, nicht die Militärs, sondern die Kinder, die in zerstörten Städten aufwachsen. Familien, die fliehen müssen und ArbeiterInnen, die keine Arbeit mehr haben, weil ganze Volkswirtschaften zerstört wurden.
Die Wahrheit ist, wenn Großmächte um Einfluss kämpfen, verlieren eigentlich immer die Menschen. Und deshalb sagen wir heute klar, die Menschen im Iran brauchen keine Bomben, sie brauchen Rechte. Sie brauchen Brot und sie brauchen Freiheit.
Und sie brauchen eine Welt, in der Konflikte nicht mit Kriegsschiffen und Drohnen beantwortet werden, sondern mit Diplomatie und Verhandlungen. Wir müssen überall mit dem gleichen Maß messen. Wir sind gegen jeden Krieg, egal von wem er geführt wird.
Und wir stehen auf der Seite von Menschen und nicht von Machtblöcken. Lass mich an dieser Stelle noch ganz kurz was zur deutschen Bundesregierung und ihrer Rolle darin sagen. Wir haben bei den Jin-Jyan-Azadi-Protesten wirklich über die ganze Bandbreite des politischen Spektrums Solidarität gesehen.
Wir haben gesehen, wie sich PolitikerInnen wirklich aller demokratischen oder aller Parteien, selbst der nicht demokratischen, mit Frauen, Leben, Freiheit, Schildern haben fotografieren lassen. Aber es sind genau diese Parteien, die heute immer noch in den Iran abschieben, die heute immer noch dafür sorgen, dass das Leben im Iran eben für die Menschen unerträglich ist. Und ich finde, das muss man auch so aussprechen.
Ich bin froh, dass wir heute hier sind. Ich bin froh, dass wir Solidarität mit den Protestierenden im Iran zeigen und an ihrer Seite stehen. Und das werden wir auch weiterhin tun, solange bis die Menschen im Iran tatsächlich frei sind.
Vielen Dank."
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