Der Tod von Jesse Jackson ist für viele von uns mehr als eine Nachricht aus den USA.
Er erinnert uns daran, dass Kämpfe gegen Rassismus und rechte Bewegungen international verbunden sind – damals wie heute.
Jackson stand politisch in der Tradition von Martin Luther King Jr., aber er wirkte in einer Zeit, in der sich die gesellschaftlichen Fronten neu formierten. Schon in den 1980er Jahren erlebte er den Backlash gegen Bürgerrechte, gegen soziale Reformen, gegen eine vielfältigere Gesellschaft. Später gewann in den USA eine offen nationalistische, rassistisch aufgeladene Bewegung an Einfluss, die sich im Umfeld von Donald Trump und der MAGA-Bewegung („Make America Great Again“) sammelte – eine Politik, die Migration dämonisiert, soziale Fragen ethnisiert und demokratische Institutionen unter Druck setzt.
Jesse Jackson stellte sich solchen Strömungen immer entgegen. Für ihn war klar: Nationalismus und Rassismus sind Werkzeuge, um soziale Ungleichheit zu verschleiern. Wenn Arme gegen Arme ausgespielt werden, profitieren nicht die Ausgegrenzten – sondern die Mächtigen.
Diese Dynamik kennen wir auch in Deutschland. Das Erstarken der Alternative für Deutschland ist Ausdruck einer ähnlichen Entwicklung: Eine rechte Bewegung, die mit Angst vor Migration, mit völkischen Erzählungen und mit Angriffen auf eine offene Gesellschaft Politik macht. Rassismus wird als „Meinung“ verharmlost, soziale Abstiegsängste werden gegen Minderheiten kanalisiert.
Für eine migrantischer Perspektive ist das keine abstrakte Debatte. Es betrifft unseren Alltag, unsere Sicherheit, unsere politische Teilhabe. Und es betrifft – in Deutschland ganz besonders –
die historische Verantwortung. Nach der Shoah und der nationalsozialistischen Barbarei ist klar: Antisemitismus, Rassismus und autoritäre Ideologien dürfen niemals wieder gesellschaftsfähig
werden. Wer heute rechte Hetze relativiert, greift die Grundlagen der demokratischen Nachkriegsgeschichte an.
Zu einem ehrlichen Gedenken gehört auch, dass Jesse Jackson nicht frei von Widersprüchen war. Seine antisemitischen Äußerungen in den 1980er Jahren waren falsch und verletzend. Er hat sich später sehr deutlich entschuldigt und um Ausgleich bemüht – doch gerade wir in Deutschland wissen, dass Sensibilität gegenüber Antisemitismus kein Randthema, sondern Kern linker Glaubwürdigkeit ist. Antirassismus und der Kampf gegen Antisemitismus gehören untrennbar zusammen.
Jesse Jacksons Vermächtnis liegt im politischen Widerstand: im Aufbau breiter Bündnisse, im Beharren auf sozialer Gerechtigkeit, im Mut, rechte Narrative nicht zu normalisieren. In Zeiten von
MAGA in den USA und einem erstarkenden Rechtspopulismus in Deutschland erinnert er uns daran, dass Demokratie verteidigt werden muss – solidarisch, internationalistisch und entschlossen.
Sein Leben war ein Beweis dafür, dass Hoffnung politisch organisiert werden kann.
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