Mit großer Sorge werden die dramatischen Entwicklungen im Iran und in Israel verfolgt. Die Gedanken und Solidarität gelten gleichermaßen den Freundinnen, Freunden und Angehörigen in beiden Ländern – den Menschen in Teheran, Maschhad, ebenso wie in Tel Aviv, Haifa und anderen Städten der Region. Überall leben Menschen derzeit mit Angst, Unsicherheit und der ständigen Sorge um das eigene Leben und ihrer Liebsten.
Diese Sorge kennt keine Grenzen. Sie gilt den Familien im Iran, die neue Angriffe und zunehmende staatliche Repression fürchten, ebenso wie den Menschen in Israel, die sich vor Raketenbeschuss und weiterer Eskalation schützen wollen. Auf beiden Seiten schauen Menschen angsterfüllt in den Himmel und hoffen, dass ihre Kinder in Sicherheit aufwachsen können.
Gerade deshalb braucht es für jene Stimmen besondere Aufmerksamkeit, die sich der Logik des Krieges entgegenstellen. Menschen im Iran und in Israel erheben trotz Gefahr ihre Stimme gegen Gewalt
und für Frieden. Ihnen gilt Solidarität und Unterstützung.
Erneut hat sich die Logik militärischer Konfrontation durchgesetzt – und wie immer zahlen die Menschen den höchsten Preis: Zivilist:innen, Familien und Kinder. Die Völker des Nahen und Mittleren Ostens brauchen kein weiteres militärisches Kräftemessen, sondern endlich ein Ende der Gewaltspirale und eine reale Perspektive auf Frieden.
Der Wunsch vieler Menschen, das islamistische und autoritäre Regime im Iran zu überwinden, ist nachvollziehbar und bleibt wichtiges Ziel. Seit Jahrzehnten kämpfen mutige Demokratinnen und Demokraten im Iran für Freiheit, Menschenrechte und Selbstbestimmung. Das iranische Regime beantwortet dieses mit maximaler und menschenverachtender Brutalität.
Doch zugleich wird immer deutlicher, dass die aktuellen militärischen Angriffe offenbar nicht auf eine demokratische Transformation des Iran abzielen. Die Bezeichnung der Operation als „Brüllen des Löwen“ verweist vielmehr auf geopolitische Symbolik, die teilweise als Hinweis auf eine mögliche Restauration monarchischer Machtstrukturen im Iran interpretiert wird – nicht jedoch auf die demokratische Selbstbestimmung der iranischen Bevölkerung.
Demokratie und Frieden lassen sich weder von außen erzwingen noch militärisch installieren, sondern muss von innen kommen. Es besteht vielmehr die ernsthafte Gefahr, dass das iranische Regime die Angriffe zum Anlass nimmt, noch härter gegen die eigene Bevölkerung und insbesondere gegen die demokratische Opposition vorzugehen. Diese Sorge ist begründet und viele Menschen schauen auf ihre Angehörigen, die in den letzten Wochen der Proteste von den islamistischen Revolutionsgarde als Geiseln gefangen wurden. Sie sorgen sich um ihr Leben. Unter dem Vorwand nationaler Sicherheit drohen neue Verhaftungen, Repression, Massenhinrichtungen und weitere Gewalt gegen jene Menschen, die seit Jahren für Freiheit und Demokratie kämpfen. Militärische Eskalation stärkt autoritäre Machtapparate – nicht die demokratischen Kräfte innerhalb eines Landes.
Ein Krieg droht damit nicht nur weiteres Leid über Israel und den Iran zu bringen, sondern die gesamte Region in eine langwierige und blutige Auseinandersetzung zu treiben, deren Folgen heute
niemand abschätzen kann. Gewalt ist selten Ausdruck politischer Stärke, sondern meist Ergebnis von Dogmatismus, Machtstreben und politischer Uneinsichtigkeit.
Verantwortung für die Eskalation tragen politische Machtzentren in Teheran, Washington und Tel Aviv gleichermaßen. Solange militärische Stärke und geopolitische Interessen über Diplomatie, Völkerrecht und menschliche Sicherheit gestellt werden, bleibt ein nachhaltiger Frieden unerreichbar.
Hoffnung besteht dennoch bei den demokratischen und friedenspolitischen Kräften – im Iran, in Israel und weltweit. Bei den Menschen, die für Verständigung, Menschenrechte, soziale Sicherheit und eine säkulare Demokratie eintreten. Eine Demokratie, die verbindet statt spaltet und verhindert, dass Gesellschaften in Kriege getrieben werden, die am Ende niemand gewinnen kann.
*Nein zum Krieg.*
*Ja zu Frieden, für Demokratie und für Freiheit.*
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