Die Haushaltsreden von Bürgermeister Marcel Kreutz und Kämmerer Thore Eggert wirken nach außen nüchtern und sachlich. Tatsächlich stecken sie voller sozialen Sprengstoffs für diese Stadt. Manche
Kommentatoren loben das „Kurshalten“ und bewerten den Entwurf von Kreutz als solide, realistisch und pragmatisch. Er setze auf Kontinuität, knüpfe an bestehende Projekte an und bringe nur
punktuelle neue Akzente. Finanzielle Zwänge und Defizite würden offen angesprochen, Steuererhöhungen und Einsparungen als „alternativlos“ dargestellt.
Doch der Entwurf löst tatsächlich bei niemandem Begeisterung aus: Er setzt auf Defizite und steuert in großen Schritten auf ein Haushaltssicherungskonzept zu.
Immer wieder fällt der Begriff vom „perfekten Sturm“ – als Beschreibung multipler Krisen, die die kommunalen Finanzen belasten. Diese Diagnose trifft zu. Was jedoch vollkommen fehlt, ist eine
klare politische Einordnung und eine konsequent soziale Antwort auf diese Krise. Schon auf den ersten Blick werden in den zwei Reden zentrale Zukunftsfragen und die politischen Brüche
ausgeblendet, die ein weiteres Erstarken rechter Kräfte begünstigen.
Prioritätensetzung ohne sozialen Kompass
Die Haushaltsplanung folgt einer technokratischen Logik: Konsolidierung, große Infrastrukturprojekte und verwaltungsinterne Zwänge dominieren. Schulen, Straßen und Großvorhaben wie das
Zanders-Gelände werden zu Recht als wichtig hervorgehoben. Doch diese Schwerpunktsetzung geht systematisch zulasten der drängenden sozialen Herausforderungen.
Bei aller scheinbaren Nüchternheit fehlt ein sozialpolitischer Blick auf die Lebenswirklichkeit der Menschen in Bergisch Gladbach. Während ausführlich über Straßenbau, Infrastruktur und
Sparzwänge geredet wird, bleiben entscheidende Themen außen vor: bezahlbarer Wohnraum für alle, ein sozial und klimagerechter ÖPNV, ausreichend finanzierte Integrationsarbeit sowie die Sicherung
guter Arbeitsplätze. Finanzen sind wichtig – sie dürfen jedoch niemals zum Selbstzweck werden, der grundlegende gesellschaftliche Probleme verdrängt.
Bezahlbares Wohnen sollte oberste Priorität bekommen
Bezahlbares Wohnen ist die zentrale soziale Frage in Bergisch Gladbach. Die durchschnittliche Kaltmiete liegt bei rund 11,50 bis 12 € pro Quadratmeter (Warmmiete etwa 15,40 €/m²), in manchen
Stadtteilen deutlich höher. Hinzu kommen steigende Nebenkosten, vor allem durch Energiepreise. Viele Haushalte sind existenziell belastet, ein Wohnungswechsel ist kaum möglich. Neu vermietete
Wohnungen liegen regelmäßig über dem Mietspiegel, besonders moderne Neubauten, wie wir sie in Bergisch Gladbach beobachten können liegen schnell bei 20 €/m² oder mehr, die sich nur noch Reiche
noch leisten können, während andere verzweifelt nach Wohnungen suchen, die sich noch bezahlen können.
Der Bestand an Sozialwohnungen schrumpft jährlich um bis zu 100 Einheiten, während kaum neuer geförderter Wohnraum entsteht, auch wenn sich Bergisch Gladbacher Kommunalpolitiker regelmäßig
gegenseitig auf die Schulter klopfen wenn mal 10 neue Sozialwohnungen entstehen. Derzeit gibt es nur noch etwa 4.000 Sozialwohnungen, obwohl wohl mehrere tausend Haushalte mehr
anspruchsberechtigt wären. Diese Entwicklung ist seit Jahren bekannt, doch wirksame Gegenmaßnahmen blieben aus, denn selbst der von der Stadt Bergisch Gladbach selbst ermittelte Bedarf bleibt im
Haushaltenentwurf völlig unberücksitigt. Die ungelöste Wohnungsfrage erzeugt soziale Unsicherheit und politischen Frust – einen Nährboden, von dem rechte Parteien profitieren.
Gebührenpolitik verschärft die Wohnkostenkrise
Parallel zur Haushaltseinbringung wurden massive Gebührenerhöhungen für Abwasser, Müll und Straßenreinigung beschlossen oder angekündigt. Auch eine weitere Anhebung der Grundsteuer B steht im
Raum. Diese Kosten werden fast vollständig auf Mieter:innen umgelegt und verschärfen die Wohnkostenkrise zusätzlich. Entlastungen bei den Gebühren und Umlagen aus früheren Überdeckungen im
Gebührenhaushalt sind allenfalls verzögert geplant, während die neuen Belastungen sofort wirken – ein Schlag gegen Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen.
Fehlende Wohnungsbaupolitik
Trotz der dramatischen Lage setzt der Haushalt keine klaren Prioritäten für öffentlichen und gemeinwohlorientierten Wohnungsbau. Grundstücke werden nicht systematisch gesichert, kommunale
Bestände nicht konsequent ausgebaut. Instrumente wie Mietpreisbremse und Wohnraumschutzsatzung bleiben sichtbar für alle wirkungslos. Besonders deutlich wird dies am Zanders-Gelände: Dringend
benötigter Wohnungsbau wird weiter verschoben, während Investoreninteressen Vorrang erhalten. Bezahlbarer Wohnraum müsste nach der Erschließung absolute Priorität haben – nicht hinter
Finanzinteressen, Prestigeprojekten und Eventtempeln zurückstehen.
Sanierungsstau und Infrastruktur: eine selbstverschuldete Krise
Der Sanierungsstau bei Schulen, Kitas und öffentlichen Gebäuden wird zwar benannt, seine Ursachen jedoch verschwiegen. Jahrzehntelange Vernachlässigung unter CDU-geführten Verwaltungen, gedeckt
durch CDU/FDP-Mehrheiten, hat diese Misere erst geschaffen. Notwendige Investitionen wurden systematisch verschoben oder blockiert. Heute binden die nachzuholenden Sanierungen enorme Mittel, die
dann bei Wohnraum, sozialer Infrastruktur, Integration und Innovation fehlen.
Dasselbe Muster zeigt sich bei der Straßeninfrastruktur: zu langes Zuwarten, fehlende vorausschauende Planung. Investitionen sind zweifellos nötig – sie dürfen jedoch nicht dauerhaft andere
zentrale Aufgaben verdrängen.
Öffentlicher Nahverkehr: eine soziale Blindstelle
Bürgermeister Kreutz erklärt Straßensanierung zur Priorität. Ein Konzept für einen bezahlbaren, leistungsfähigen und klimagerechten uns sozial angemessenen ÖPNV fehlt hingegen völlig. Stattdessen
werden Linien gekürzt, Angebote vor Ort abgebaut, während Ticketpreise steigen: +1,9 % im VRS ab Januar 2026, +4,4 % im Jahresverlauf durch Tarifreform sowie +5 € (+6,6 %) beim
Deutschlandticket.
Mobilität wird zum Luxus, mit schweren Folgen für Jugendliche, Menschen ohne Auto und einkommensschwache Haushalte. Gleichzeitig bleiben Parkgebühren unverändert niedrig, wodurch die Stadt
jährlich über 1,5 Millionen Euro Einnahmen an die Autofahrer verschenkt und den Autoverkehr faktisch subventioniert.
Integration und gesellschaftlicher Zusammenhalt
Integration wird kaum thematisiert – und wenn, dann primär als Kostenfaktor. Dabei ist gelungene Integrationsarbeit eine Investition in die Zukunft: Sie stärkt Zusammenhalt, Innovation und
Demokratie. Zunehmende soziale Unsicherheit und knapper Wohnraum erhöhen das Risiko politischer Radikalisierung, wie das Erstarken rechtsextremer Kräfte zeigt. Kommunalpolitisches Gegensteuern
für Alle bleibt bislang aus.
Fehlendes Profil von SPD und Grünen
SPD und Grüne zeigen bisher kein eigenständiges Profil. Die Haushaltsplanung folgt weitgehend der Linie von CDU und FDP und setzt damit genau jene Politik fort, die die Stadt in die aktuelle
finanzielle Schieflage gebracht hat. Das prognostizierte Defizit 2026 liegt bei rund 54 Millionen Euro, die Rücklagen könnten 2027/28 aufgebraucht sein. Eine Gewerbesteueranhebung um 50 Punkte
wurde abgelehnt und es soll nur um 25 Punkte steigen – der Stadt entgehen dadurch jährlich etwa 2,6 Millionen Euro Einnahmen. Von sozialen Wahlversprechen, Visionen für Wohnraum, Mobilitätswende
oder soziale Gerechtigkeit bleibt nichts als unverbindliche Wahlkampffloskeln.
Erste CDU-Vorschläge zum Haushaltsentwurf 2026
Die CDU-Fraktion lehnt bereits die im Entwurf angekündigten moderate Steueranpassungen ab und setzt stattdessen auf flächendeckende Einsparungen. Freiwillige Leistungen, soziale Angebote und
Klimaschutzprojekte geraten dadurch massiv in Gefahr. Statt konstruktiver Alternativen drohen CDU-Vorschläge, dringend nötige Investitionen in Bildung, Jugend, Umwelt und soziale Teilhabe zu
kürzen.
Linke Kritikpunkte an den ersten Statements im Detail
„Weiterwurschteln“ statt Investitionen in eine soziale und klimagerechte Zukunft
Der Haushalt wird als „Haushalt der Kontinuität“ verkauft, bietet jedoch keinerlei transformative Perspektive, die soziale Gerechtigkeit, gesellschaftlichen Zusammenhalt, Integration,
demokratische Mitbestimmung und ökologische Transformation gleichrangig voranbringt.
Stattdessen brauchen wir:
Linke Akzente: sozial, gerecht, zukunftsfähig
Die Vertreter:innen der Linken im Stadtrat und in den Ausschüssen – insbesondere im Ausschuss für Chancengleichheit und Integration (ACI) – werden den Haushaltsentwurf 2026 sorgfältig prüfen,
konstruktive Vorschläge einbringen, Änderungsanträge stellen und klare soziale Akzente setze, statt sich schweigend zu enthalten.
Unser Anspruch ist ein Haushalt, der Schulen saniert, Infrastruktur erhält, das Zanders-Gelände zügig entwickelt, bezahlbaren Wohnraum schafft, den ÖPNV stärkt, Integration fördert und den
sozialen Zusammenhalt sichert.
Ein Haushalt darf nicht nur „dem perfekten Sturm trotzen“. Er muss aktiv zugunsten der Menschen gestaltet werden – mit klaren Prioritäten für soziale Gerechtigkeit, Teilhabe und ein lebenswertes
Bergisch Gladbach. Die bisherigen Signale der Verwaltung deuten leider in eine andere Richtung.
Linke Politik im Stadtrat setzt sich dafür ein, dass im weiteren Verfahren nicht primär gekürzt, sondern zukunftsorientiert investiert wird – zum Wohl der Menschen in Bergisch Gladbach und für
die langfristige Handlungsfähigkeit der Stadt.
Kommentar schreiben
Marc schneiderreit (Dienstag, 23 Dezember 2025 18:12)
Lieber Thomas
Alles was du hier schreibst ist gut und schön, nur was ich hier vermisse in den ganzen schreiben und gedanken egal von welcher Partei es ist , es wird kein wort darüber gesprochen wie der Einzelhandel gestärkt werden soll ,und ich rede jetzt nicht von so einem protzbau wie die Galerie, welche schon damals ein Fehler wahr , es gehen durch die Ärzte und Krankenhaus evk - mehr handel und Einkommen verloren als alles andere , die Insolvenzen sind auf Höchststand! Der Wohnraum wird an Investoren verkauft ohne das eine soziale Verantwortung übernommen wird . Für diesen Ausverkauf der Stadt dies betrifft nicht nur unsere Stadt sondern auch andere Städte, geschäftsvorhaben werden von vornherein durch die Stadt ( Rat) oder wie auch immer blockiert ,weil die Stadt ja angeblich einen sozialplan hat , als linksliberaler glaube ich das man sich mal auf das kleine beziehen sollte u d anfangen sollte den kleinen Einzelhandel zu fördern so das andere Menschen sich auch was aufbauen kann ! Jeder Mensch hat Fähigkeiten im kleinen wie im grossen ,woraus der kleine Einzelhandel del entstanden ist ! Man versucht immer die grossen Player zu kriegen bzw Marken und tut so als ob dies die Rettung wäre . Bergisch glDbach hat keine Kaufkraft mehr ,wo Menschen das Geld hier ausgeben sondern im Internet wodurch natürlich auch das sozialleben drunter leidet ,weil man das Hobby vor anderen versteckt ! Dies ist aber keine allgemeine Lösung es sollte als Gedankenaustausch mal so verstanden werden was so schief läuft ! Grad weil die sozialen sicherungssyteme daran vorbei gehen ! Dies wahr aber eine Entwicklung die sich schon seit 30 Jahren entwickelt hat ,und ich sehe schwarz wen investoren die eigentlichen Möglichkeiten. Der Stadt zunichte machen !
Wenn du Rechtschreibfehler findest frage das handy oder behalte sie
Mfg
Best regard
Marc